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Thema: Showhypnose

  1. #1
    Junior Member
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    Zahnziehen mit Hypnose als Ersatz für Betäubungsmittel ist aber Bühnenhypnose wie bei Arabella. Der Patient steht dabei unter dem Druck, nicht sagen zu dürfen, was er spürt.



    lieber kollege mehrstedt,

    ich bewundere ihre arbeit und ihr engagement für die angstpatienten. das gibt ihnen aber nicht das recht behauptungen aufzustellen, die so sehr verunsichern können, daß patienten das nebenwirkungsfreie und schonende hilfsmittel hypnose vielleicht aus diesem grund in frage stellen!!!

    showhypnose ist mit sicherheit eine reine effekthascherei und hat mit seriöser hypnose nichts zu tun.

    bei der modernen klinischen hypnose hingegen hat der patient in der tat jederzeit alles unter kontrolle. bei einem guten therapeuten ist es durchaus möglich bei geeigneten patienten eine trancetiefe zu erreichen, die den einsatz von betäubungsmitteln deutlich reduziert oder sogar überflüssig machen kann. in den allermeisten fällen ist es jedoch im interesse von zahnarzt und patient, daß über die kombination von hypnose und lokalanaesthesie, die größtmögliche sicherheit für eine schmerzfreie behandlung gegeben wird!
    spektakuläre extraktionen ohne betäubung "für die galerie" halte ich auch nicht für geeignet um angstpatienten oder auch "otto normalverbraucher" sorgenfrei auf den behandlungsstuhl zu bringen.
    aber es ist durchaus möglich und manchmal (in ganz seltenen fällen) leider auch nötig ohne betäubung zu arbeiten. und vertrauen sie mir: es geht, wenn man es kann! mit einer guten einfühlsamen hypnose, die in mehreren sitzungen die trancetiefe optimiert, ist es möglich die aussenwahrnehmung des patienten so weit zu reduzieren, daß in vorher definierten körperregionen kein schmerz wahrgenommen wird!
    zum glück ist das nur in ganz seltenen fällen notwendig und eine mittlere trancetiefe ist auch für die zahnärztliche behandlung von angstpatienten in der regel vollkommen ausreichend. ich persönlich erachte die hypnose jedenfalls immer noch als eines der schonendsten und besten hilfsmittel um angstpatienten in eine angenehme zahnarztzukunft zu begleiten.

    liebe grüße
    romme9


  2. #2
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    Ich denke, sowohl Herr Mehrstedt wie auch romme9 haben recht.
    Auf der einen Seite ist es ja bekannt, dass bei der Schauhypnose eine extreme Selektion der Probanten betrieben wird, damit das gewünschte Ergebnis demonstriert werden kann. Wir wissen auch, dass manche "Zuschauer" gekaufte Leute sind,die ihre Schau abziehen. Dies alles hat mit Hypnose ja nicht so viel zu tun.
    Die klinische (und damit seriöse) Hypnose ist duchaus in der Lage, bei ca. 85% der Fälle die Schmerzempfindlichkeit deutlich zu reduzieren. Dennoch verzichten professionelle Anwender der zahnärztlichen Hypnose aus naheliegenden Gründen nicht auf die lokale Betäubung. Der Vorteil der Hypnose besteht dann in der Entspannung des Patienten, der geringeren Blutungsneigung und der Stabilisierung des Immunsystems.




  3. #3
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    Lieber Romme9,
    mein Vater hat seine Grundausbildung in zahnärztliche Hypnose vor über 40 Jahren gemacht, selbst habe ich fast 25 Jahre Erfahrung damit. Als ich mit Hypnose anfing war ich neben eine handvoll Psychologen und noch einen Schwedischen Zahnarzt in Süddeutschland der einzige der mit Hypnose gearbeitet hat. Damals hat man sein Ansehen damit riskiert, un in meinem Fall wohl auch mein Arbeitserlaubnis. Das hat sich inzwischen geändert. In diesem Jahr hat sogar die Zeitschrift Skeptiker ein Themanummer gehabt, wo Hypnose (völlig unkritisch) als seriöses Verfahren dargestellt wird. Ich glaube, in aller Bescheidenheit, das ich neben vielen anderen, durch etliche Auftritte im Fernsehen, Radio und Zeitschriften, etwas zu dieser Entwicklung beigetragen habe.
    Die Hypnose leidet aber immer noch unter einem Mangel an seriöser Forschung und vor allem an einem Überfluss von begeisterten Anfänger, die sich und anderen zu viel von der Methode versprechen. Wenn man Behauptungen aufstellt, die die Hypnose nicht gerecht werden kann, sondern zu Traumatisierungen von Patienten führen, wird die Methode dadurch geschadet, und der Durchbruch an den Universitäten, die noch nicht stattgefunden hat, gefährdet.
    Es ist natürlich einfach zu sagen, der Mehrstedt kann es selbst nicht, deshalb sagt er das. Das ist der Kern der Showhypnose. Die Leute tanzen mit dem Besen weil sie sich nicht trauen zu sagen, das sie es lassen könnten, wenn sie es wollten.
    Joseph Barber hat in seiner Doktorarbeit 1976 die Behauptung aufgestellt, dass er bei 100 % seiner Patienten Schmerzfreiheit während der Zahnbehandlung erreicht hatte durch seinen Induktionen. Diese Induktionen kann jeder aussprechen. Aber bisher hat niemanden seine Ergebnisse wiederholen können. Barber selbst spricht auch nicht mehr darüber. Nur in Deutschland tut man das, weil es die Seminare füllt.
    Es gibt kein Grund, Betäubungsmitteln durch Hypnose zu ersetzen, es sei denn, sie befinden sich auf einem Kriegsschauplatz und haben gerade kein Morphium zur Hand. Ich habe 1999 das Sonderheft von Hypnose und Kognition zum Thema Zahnärztliche Hypnose zusammengestellt. Darin ist ein Artikel von mir, wo die Forschungsergebnisse zur hypnotischen Anästhesie dargestellt werden.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Mats Mehrstedt


  4. #4
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    lieber kollege mehrstedt,

    ich denke wir liegen mit unserer einstellung zur hypnose gar nicht so weit ausseinander, wenn man von dem punkt "schmerzfreiheit durch hypnose" absieht (und dies zu erreichen ist auch wirklich nur in ganz seltenen fällen notwendig aber es gibt diese fälle, auch wenn sie sie zu ihrem glück vielleicht in ihrer langen, von bescheidenheit geprägten karriere noch nicht erlebt haben).
    ich persönlich bin von den möglichkeiten der hypnose überzeugt, sie sind es nicht so sehr. es gibt zahnärzte, die greifen auf medikamente zurück und haben mit der analgosedierung gute ergebnisse erzielt. andere behandeln zuerst in einer großen sitzung die dringendsten probleme ihrer patienten in vollnarkose um dann in ruhe später die angstbewältigung einzuleiten.
    egal wie - es zählt was "hinten raus kommt" nämlich patienten, die bei sich bei ihrem zahnarzt wohl und sicher fühlen und ich finde es schön, daß wir dazu beitragen können und mit der vielfalt unserer methoden für die meisten angstpatienten die jeweils gescheiteste und angenehmste lösung anbieten.

    liebe grüße
    romme9



  5. #5
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    Hallo,
    als "Nichtfachmann" möchte ich noch einen kurzen Gedanken einwerfen:
    Dr.M.M. meint ja, daß ein Hypnotisierter auch Schmerz zugeben würde bzw. mit unsinnigen Handlungen aufhören, wenn er sich denn nicht blamieren wolle.

    Das könnte man glatt mit einer VN vergleichen. Dort erhält man eine Kombination aus Schlafmitteln und muskelentspannenden bzw. lähmenden
    Medikamenten. Sind die Schlafkomponenten zu
    gering gewählt, erwacht man, aber man ist unfähig, sich bemerkbar zu machen, selbst wenn man Schmerzen verspührt.

    Ähnlich verhält es sich mit der Hypnose: Ist die Entspannung nicht tief genug, verspürt man Schmerzen, aber KANN sich nicht bemerkbar machen.
    Hier liegt die Verantwortung beim Behandler selbst, vorab festzustellen, ob der Patient überhaupt auf Hypnose anspricht und DANN die Art der Behandlung wählen.

    Wenn man Dr.M.M.'s Worte näher betrachte, könnte man zu dem Schluß kommen, daß selbst autogenes Training "Humbug" ist und eine "Selbstverar...e" an sich selber.
    Ich würde das nicht so im Raum stehen lassen wollen.

    Freundliche Grüße von
    einem interessierten Gast



  6. #6
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    Lieber Gast,
    ich bin nicht sicher, ob ich Ihre Gedanken da richtig folgen kann. Was ich sagte war, dass ein Patient bei einer Zahnextraktion ohne Betäubungsmittel, aber mit "hypnotischer" Betäubung in einer Lage hineinmanipuliert wird, wo er nicht zugeben darf, dass er Schmerzen gespürt hat. Tut er das, hat er nicht nur selbst versagt, sondern auch den Arzt blamiert. Er wäre dann der erste Patient, bei dem es nicht "funktioniert" hat.
    Hypnose ist in vielen Fällen sehr nützlich; bei Entspannungsübungen, Selbstvertrauenstraining, bei der Verarbeitung von Traumata und bei chronischen Schmerzen, zum Beispiel. Aber nicht als Betäubungsmittel.
    Bei der Autogenen Training wird man in der Regel nicht mit Schmerzen konfrontiert, die mit der Extraktion eines Zahnes vergleichbar sind. Sollten Sie es probieren wollen, Autogenes Training zu machen, während ein Zahnarzt Sie ein Zahn zieht, dann können Sie sich garantiert nicht täuschen. Das ist aber nicht die Aufgabe des ATs. Ausserdem sind die Betäubungsmittel föllig harmlos. Damit sollte man grosszügig sein.
    Beste Grüße,
    Mats Mehrstedt


  7. #7
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    wenn ich das so lese is wohl noch immer der Hammer ohne die Pfanne auf den Kopf bestes Betäubungsmittel? ;)

    also ob Hypnose oder nicht...ich denke mal eine Betäubung sollte in jedem fall helöfen und wenn das tatsächlich so is das man evtl. schmerzen verspürt und man sich nicht bemerkbar machen kann...ist das doch auch nicht so der richtige weg!?!?

    diese Showhypnosen im Fernsehen finde ich überhaupt grundsätzlich affig...zumal man (wenn es denn klappen würde) dem menschen auf eine art tief in seine innere Psyche eingreifen würde... und es soll ja auch bereits Menschen gegeben haben bei denen das aufwachen nicht funktioniert hat... ist das eigentlich wirklich so? also ich meine das der Hypnotiseur einen nich mehr zuück bekommt?


  8. #8
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    Nein, man wacht immer nachher auf. Die Bühnenhypnotiseure sind jedoch Laien, sie haben meistens gar keine psychologische Ausbildung. Die Teilnehmer füllen auch nur den Zweck, zur Unterhaltung der Gäste beizutragen und den Hypnotiseur gut aussehen zu lassen. Wenn die Teilnehmer psychische Probleme haben, wenn sie früher traumatisiert waren z.B., können diese auch durch eine Showhypnose verschlimmert werden, weil sie sich ausgenutzt und manipuliert fühlen. Nach der Show kümmert sich in der Regel keiner darum, die Teilnehmer werden mit solchen Problemen meistens allein gelassen.
    Mats Mehrstedt


  9. #9
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    um der leidigen diskussion wegen der hypnose endlich mal ein ende zu setzen.

    es ist doch völlig egal ob hypnose oder einfache lokalanästhesie.
    letztendlich kommt es auf den behandler an.

    hypnose generell als unterstueztung damit sich der patient während der (längeren) behandlung entspannen kann.

    vernuenftigen zahnärzte die mit hypnose arbeiten werden sehr wohl darauf achten dass wenn irgendwie möglich anästesiert wird. und sie erlauben dem patienten sehr wohl sich zu melden wenn er mehr spuert als fuer ihn ok ist. und der patient sich dann auch melden weil es vom zahnarzt ausdruecklich gewuenscht und somit auch ok ist.

    und noch etwas:
    ich habe einige zahnärzte gehabt die zwar anästhesiert haben, aber die behandlung war trotzdem teilweise extrem schmerzhaft.
    mittlerweile denke ich zu wissen warum das mittel nicht oder nur unzureichend gewirkt hat.
    und ich habe mich bemerkbar gemacht und gesagt dass die behandlung fuer mich schmerzhaft ist.
    was hab ich als antworten bekommen ??
    - das kann gar nicht sein
    - das ist unmöglich
    - das bilden sie sich nur ein
    - etc

    und das waren ganz "normale" zahnärzte, die nix mit hypnose am hut hatten.

    ich schätze, dass ich bei weitem nicht die einzigste bin mit solchen erfahrungen.

    FAZIT:
    es kommt auf den behandler an.
    und wenn eine behandlung schmerzhaft war, ob mit oder ohne hypnose und der arzt nicht reagiert hat bzw die möglichkeit von schmerzen negiert hat...

    dann kann der patient selbst entscheiden ob er noch mal da hin geht oder eben nicht.

    egal was fuer eine behandlungsmethode, das erbebnis ist in beiden fällen ziemlich gleich.


  10. #10
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    Zahnbehandlungsängste sind komplex und haben unterschiedlichen Ursachen. Obwohl die Möglichkeiten, Zahnarztpatienten schmerzfrei zu behandeln, schon seit einem halben Jahrhundert vorhanden sind, sind schmerzhafte Behandlungen eine weit verbreitete Ursache für Zahnbehandlungsängsten. Bei einer Befragung von 125 Angstpatienten gaben mehr als ein Drittel sogar an, dass ALLE ihre Zahnbehandlungen - ohne Ausnahme - schmerzhaft gewesen seien. Andere Studien zeigen, dass gut jede zehnte Betäubung nicht den gewünschten Effekt hat.
    Die Alternative ist aber nicht, auf örtliche Betäubungen zu verzichten, sondern man muss zusehen, dass sie wirklich wirken. Das gilt auch bei einer Sitzung mit Hypnose.
    Die Extraktion eines Zahnes ist ohne Betäubung sehr schmerzhaft. Auch die schlausten Suggestionen ändern daran nicht viel. Insofern ist es nicht egal, ob man betäubt oder nicht, und nicht vom Behandler abhängig. Es gibt keine Behandler, die eine hundertprozentige Betäubung einfach herbeireden können. Wenn man das probiert traumatisiert man den Patienten und man gibt die Hypnose einen schlechten Ruf. Ganz abgesehen davon, dass es unter den heutigen Umständen völlig unnötig ist, ohne Betäubungsmitteln zu arbeiten.
    Mats Mehrstedt


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