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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : heute erste Behandlung



Dagmar
30.12.2008, 08:57
Leider hat niemand auf meinen Beitrag geantwortet. Zwischendurch erhielt ich eine Mail von einer männlichen Person, die ebenfalls ein Problem mit dem Wasser hat und fragte mich, ob man generell ganz ohne Wasser bohren kann? Mit diesem Problem stellt sich schon eine Zahnreinigung als erhebliche Belastung dar. Daneben habe ich ein Problem mit meinem Würgereiz, wenn die Belastung groß wird, entsteht dieser Reflex. Gibt es hier ähnliche Betroffene?
Ich werde alles dafür tun müssen, meine Zähne zu erhalten, ein Vollgebiss würde ich nicht tragen können, allenfalls eine kleine Brücke.

LG Dagmar

Zufall ist ein Wort ohne Sinn, nichts kann ohne Ursache existieren.

Mehrstedt
08.01.2009, 15:12
Würgereiz ist kein ungewöhnliches Problem, besonders nicht bei Menschen, die unter Zahnbehandlungsängsten leiden. Es ist aber individuell recht unterschiedlich, wie dieser Reflex verursacht wird und wie man sie dann behandeln muss. Oft kann man Hausaufgaben bekommen, so dass man zu Hause in aller Ruhe dieser (übertriebene) Reflex wegtrainieren kann, zusammen mit Übungen in der Praxis. Für eine erfolgreiche Therapie ist es aber wichtig, dass die Übungen häufig und regelmässig durchgeführt werden. Längere Pausen führen oft dazu, dass man teilweise vergißt, was man gelernt hat und das die Probleme dann wieder zunehmen.

Dagmar
16.01.2009, 19:09
Liebe Teilnehmer,
nach zweieinhalb Jahren Pause hatte ich heute bei Dr. Mehrstedt meinen ersten Behandlungstermin. Ich war zwar sehr aufgeregt, doch zu meinem Erstaunen klappte es ohne Komplikationen. Habe meiner Angst Raum gegeben und mir gedacht, was könnte mir schlimmstenfalls passieren,werde dort nicht sterben, allenfalls könnte es mal ein wenig weh tun oder mein altbekannter Würgereiz würde sich bemerkbar machen, doch er kam nicht, es wurde eine kleine Füllung unten an einem Frontzahn gemacht, folglich noch nicht in der Mundhöhle und weiter hinten, was mir mehr Schwierigkeiten bereitet. Dr. Mehrstedt fragte mich zuvor, wozu ich bereit bin und was gemacht werden soll. Außerdem legte er mich nicht tief nach unten und nahm auch nicht die ganze Zeit den Wasserbohrer, ich bevorzuge den ohne Wasser. Somit habe ich als Patientin das Gefühl der Selbstbestimmung. Mir fiel noch auf, dass es mir hilft, meine Angst anzusprechen, wenn aber Gesten wie Stöhnen und Seufzen keine Beachtung finden, scheinen sie keinen Gewinn zu haben und werden sozusagen vom Unterbewusstsein als nutzlos gespeichert. Durch Angstgesten habe ich früher Zuwendung erhalten. Nun bin ich ein wenig stolz auf mich, heute alles ohne Hilfsmittel geschafft zu haben. Gestern hatte ich mir noch Gedanken gemacht, ob ich mir z.B. Notfallbonbons oder ein pflanzliches Beruhigungsmittel hole, habe aber davon Abstand genommen, weil ich mich stellen wollte. Nunmehr sitze ich hier und meine gesamter Unterlippenbereich ist nach 1 1/2 Stunden noch stark betäubt, es dauert leider immer mehrere Stunden, bis die Betäubung sich wieder auflöst. Meinen nächsten Termin habe ich am 15. Januar 2009. Danke Dr. Mehrstedt, ich wünsche Ihnen und Ihrem Team ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Neue Jahr.
LG Dagmar

Zufall ist ein Wort ohne Sinn, nichts kann ohne Ursache existieren.

Dagmar
16.01.2009, 19:09
Hallo Forumsmitglieder,
ich möchte berichten über meine zweite Behandlung. Natürlich war ich den ganzen Vormittag aufgeregt und lief häufiger als sonst noch mal zur Toilette. Auf der Fahrt in die Praxis habe ich mich durch Lesen ein wenig abgelenkt. In der Praxis angekommen wurde ich von der Zahnarzthelferin sehr freundlich begrüsst und nahm im Wartezimmer Platz. Die Geräusche vom Bohrer gehen mir noch sehr nahe, es riecht aber nicht so steril. Ich habe eine Odysee hinter mir und fühlte mich jahrelang als nicht mehr behandlungsfähig, weil ein früherer Zahnarzt mal äusserte, ich sei nicht zu behandeln, sollte in eine Klinik gehen und mir unter Vollnarkose das gesamte Gebiss sanieren lassen. Daraufhin habe ich mich als krank eingestuft und alles mögliche über Oralphobie gelesen sowie ständig im Computer nach entsprechenen Themen gesucht. Unter anderem auch nach Medikamenten, die mir meine Angst nehmen könnten. Irgendwann kam ich darauf, dass eine Behandlung unter Vollnarkose, bzw. durch Einnahme von Medikamenten, mir meine Angst nicht wirklich nimmt. Sie würde halt nur für eine kurze Zeit betäubt oder ausgeschaltet sein. Aber bleiben und die Ursache nicht ausschalten. Folglich entschloss ich mich, mich meiner Angst zu stellen, damit ich angelerntes wieder verlerne.

Vorerst hatte ich zu Dr. Mehrstedt Email Kontakt aufgenommen. Einen Termin habe ich abgesagt, weil ich etwas eingenommen habe, das mir nicht bekam. Bis ich tatsächlich das erste Mal auf dem Behandlungsstuhl saß, vergingen Monate.

Als ich gestern behandelt wurde, meine zweite Füllung bekam, hatte ich einen kurzen Moment das Gefühl, mein Würgereiz könnte sich gleich bemerkbar machen.

Dr. Mehrstedt bemerkte es sofort und entfernte ein Teil, das mir lästig erschien. Danach ging alles fast problemlos. Ich verließ dankbar die Praxis mit einem Erfolgserlebnis, wieder einen kleinen Schritt weiter zu sein, und es ohne Hilfsmittel geschafft zu haben. Fast schwebend lief ich zur U-Bahn. Dass die Betäubung wieder mal drei Stunden anhielt, war die schönste Nebensache. Ich hätte alle umarmen können. Niemand, der diese Angst nicht kennt, kann derartige Gefühle nachempfinden. Sicher werde ich niemals eine leicht zu behandelnde Patientin werden, aber immerhin eine, die nun auf dem Weg ist, sich ihre Zähne sanieren zu lassen.

Ich möchte alle Mitleser hier motivieren, den ersten Schritt zu wagen, nachdem viele kleine weitere Schritte folgen, vielleicht auch mal ein Rückfall, in der Praxis von Dr. Mehrstedt kommt kein Gefühl auf, sich zu blamieren. Unter anderem hat mir die Behandlung auch ein Stück Selbstwertgefühl zurückgegeben. Danke Dr. Mehrstedt und danke seinen Assistentinnen.

Bis zum nächsten Mal am 06. Februar.

Lieben Gruß Dagmar

Zufall ist ein Wort ohne Sinn, nichts kann ohne Ursache existieren.