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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Mein Leben wird beherrscht von Angst und Scham



Mehrstedt
11.01.2007, 21:00
Hallo Ruddy,
es ist nicht Ihre Schuld, dass Sie Zahnbehandlungsängste haben und deshalb brauchen Sie sich auch nicht dafür zu schämen. Ängste sind dazu da um uns zu schützen und mit grosser Wahrscheinlichkeit hat irgendein Zahnarzt Ihre Angst im Bezug auf Zahnärzte aktiviert. Meistens ist es nicht besonders schwierig, solche Ängste wieder abzubauen, aber es ist leider nicht in ein oder zwei Sitzungen getan, vor allem nicht wenn es tagelange Marathonsitzungen sind; dass würde die Angst eher stärker machen. Bitte schauen Sie sich die anderen Seiten hier an, dann sehen Sie in etwa, wie wir arbeiten, oder rufen Sie meine Helferin an, Tel. 040-6517324

Mit freundlichen Grüßen,
Mats Mehrstedt

verzweifelt
18.01.2007, 10:31
Mir geht es genau wie dir. Ich kann es sehr gut nachfühlen. Bei mir ist es jetzt so weit, dass mich nur noch die Scham abhält etwas zu unternehmen. So schlimm ist es bei mir schon geworden. Jeder der mich sieht wird denken wie kann man so blöd sein es so weit kommen zu lassen. Den Gedanken habe ich auch über die Ärtze, die ganz genau sehen werden wie weit ich es habe kommen lassen.
Ich hasse mich so sehr für meine schlechten Zähne und dafür dass ich es so weit hab kommen lassen. Mein Leben dreht sich nur noch um den Hass auf mich selbst, denn ich weiss es ist alleine meine Schuld, dass ich nichts unternommen hatte.

Die Backe
02.02.2007, 11:26
Hallo Ruddy!
Erst heute lese ich Deinen Beitrag. Ich schaue immer wieder in das Forum, wenn mein nächster Termin bei Dr. Mehrstedt ansteht. Es motiviert mich immer, zu wissen, man ist nicht allein mit den Ängsten und viele haben das gleiche durchgemacht, wie man selber. Ich habe nun Montag meinen inzwischen 6. Termin und kann zum Glück auch nur erträgliches berichten. Ich freue mich nach jeder Behandlung, wieder einen Schritt voran gekommen zu sein und fühle mich bei Dr. Mehrstedt auch sehr gut aufgehoben.
Auch ich habe eine Anreise von 170 km und kann Dich nur motivieren, es trotzdem zu versuchen. Was hilft Dir ein Zahnarzt um die Ecke, zu dem Du Dich nicht traust, weil er kein Verständnis für Dich hat. Dann lieber die Reise und man hat Vertrauen.
Du kannst im Übrigen gut mit der U-Bahn vom Hbf. mit einem Umstieg in die Nähe der Praxis fahren und dann sind es noch 5 Minuten zu laufen. Wenn Du aus Niedersachsen kommen solltest, empfehle ich Dir das Niedersachsen-Ticket (nur 17 €), damit kannst Du den ganzen Tag nach Hamburg und zurück reisen und die U-Bahn ist auch noch inklusive! Nur im IC/ICE ist die Karte nicht gültig.
Ich persönlich bevorzuge bei Dr. Mehrstedt kurze Behandlungen und komme dafür lieber einmal öfter zu ihm. Die kleinen Schritte motivieren, es ist jedes Mal ein kleiner Sieg gegen die Angst und den Schweinehund. Ich glaube, dies ist besser, als stundenlange Sitzungen am Stück - aber jeder macht das halt anders. Ich versichere Dir, der Mut kommt nach den ersten Schritten!
Hau rein, greif zum Telefon und rufe bei Dr. Mehrstedt an!

phoebe
15.02.2007, 13:48
hallo!gerade habe ich dieses forum aufgetan und sehr viel gelesen.mir rollen grade die tränen weil ich mich in euren beiträgen wiederfinde und weil ich so verzweifelt bin.ich bin keine 30 jahre alt und würde behaupten das was ich im mund habe sind leider keine zähne mehr.ich hatte als kind einen zahnarzt bei dem alles schrecklich weh tat und vor dem ich auch aus menschlicher sicht fürchterliche angst hatte.darum bin ich als ich älter war einfach nicht mehr hingegangen.und somit habe ich alles kaputt gemacht,ich werde so sehr von meiner angst beherrscht,daß ich mich lieber mit schmerzmitteln vollpumpe anstatt mich zu überwinden zum zahnarzt zu gehen.ich habe mir sogar selbst einen zahn gezogen.ich hasse mich dafür daß meine scham so groß ist soetwas schreckliches überhaupt zuzulassen und ich will jetzt endlich etwas ändern.ich lache schon seit jahren nicht mehr,lasse den mund immer geschlossen denn die vorderfront sieht schlimm aus.ich wünschte ich hätte mich mehr zusammen gerissen ziehe mich mehr und mehr zurück und gehe nach möglichkeit nicht unter leute.aber es geht so nicht mehr.es ist ein kreislauf,die zähne werden immer schlimmer,meine wut und mein hass auf mich selbst steigt und das schamgefühl natürlich auch immer mehr,jedoch habe ich angst vor folgenden dingen:wie soll ich das alles bloß bezahlen?ich bin doch ein härtefall und grade zahnbehandlungen sind doch so teuer...und das zweite ist folgendes:
vor knapp zwei jahren hatte ich mich schon einmal überwunden habe mich lange über einen guten arzt informiert und letztlich bin ich nach 3 behandlungen nie wieder hingegangen,weil ich das gefühl hatte,daß alle wissen wie es in meinem mund aussieht und eine zahnarzthelferin hat tatsächlich zu mir gesagt so etwas schlimmes habe sie noch nie gesehen.auch der arzt hat mir dieses gefühl gegeben,so nach dem motto wie kann eine noch so junge frau so schreckliche zähne haben-dabei hatte ich mich ihm anvertraut und ihm gesagt wie viel überwindung es mich überhaupt gekostethat zu ihm zu gehen,wie schlimm meine angst ist und wie unendlich doll ich mich schäme.ich hab angefangen zu heulen weil genau das passiert ist wovor ich inzwischen die meiste angst habe-spott und unverständniss und daß andere menschen-ja auch irgendwie zu recht-mir verdeutlichen,daß ich mich wirklich für mein gebiss schämen muss. und die tatsache daß ich mich ohnehin so fürterlich schäme macht solche aussagen für mich quasi unerträglich.ich bin wie gesagt nie wieder hingegangen,war danach emotional lange total am ende,weil ich allen mut und alle kraft zusammengenommen hatte und dann so ernüchtert war darüber,daß meine scham mir immer im weg stehen wird und ich nie wieder schöne zähne haben kann.ich hab jetzt total angst davor überhaupt irgendeinem zahnarzt meine zähne nochmal zu zeigen und habe angst daß ich vielleicht wenn ich einen termin bei dr mehrstedt bekommen sollte,in letzter min wenn ich vor der tür stehe wieder abhaue.sind dort wirklich so viele angstpatienten daß ich nicht auffalle?davor habe ich die meiste angst,negativ auffallen und wohl möglich die beherrschung zu verlieren.gut möglich daß ich aus angst anfange zu weinen.was dann?
dabei will ich so doch einfach nicht mehr weitermachen...
lg phoebe

Mehrstedt
21.02.2007, 13:51
Hallo Phoebe,
dieser Mangel an Verständnis das Sie beschreiben bedeutet nur, dass diese Menschen nicht wissen, was es heisst, Angst zu haben. Zahnärzte haben nun mal leider meistens keine psychologische Ausbildung.
Angst ist aber eine gesunde, lebenserhaltende Mechanismus, und wenn man beim Zahnarzt schmerzhaft behandelt wird, vielleich sogar festgehalten oder beleidigt wird, dann ist es ganz normal, dass man Angst bekommt und nicht mehr so gerne zum Zahnarzt geht. Auch wenn der Verstand sagt, dass es schon sinnvoll wäre zum Zahnarzt zu gehen, dann kann die Angst manchmal so stark sein, dass sie es trotzdem verhindert und manchmal, wie sie sagen, dazu führt dass man an der Praxistür nicht mehr weiterkommt, sondern wieder nach Hause fährt. Wir haben dies öfters erlebt beim ersten Besuch eines Patienten, auch bei Patienten die eine Anreise von vielen Stunden hatten. (Sowas erfahren wir dann aber nur beim zweiten Anlauf.) Dies ist kein Zeichen von Feigheit sondern zeigt nur, wie stark eine lebenserhaltende Mechanismus sein kann, wenn sie aktiviert ist. Die Angst verfolgt ihre eigene Logik und versucht, Sie zu schützen. Es ist nicht Ihre Schuld, dass sie diese Angst bekommen haben. Sie wissen bestimmt wer oder welche Leute es waren, die diese Angst verursacht haben.
Gleichzeitig sollten Sie wissen, dass man sehr wohl Zahnbehandlungen völlig schmerzfrei durchführen kann. Die Möglichkeiten dazu haben wir Zahnärzte seit über einem halben Jahrhundert, aber es läßt sich nicht bestreiten, dass nicht immer alle Kollegen sich daran gehalten haben. Dies ist aber nicht Ihre Schuld, und deshalb brauchen Sie sich nicht dafür zu schämen.
Fast alle unsere Patienten haben oder hatten mal solche oder ähnliche Ängste wie Sie hier beschreiben. Wir sehen täglich Menschen wo mehrere Zähne nicht zu retten sind, häufig sind es über 20. Wenn man sehr viel Angst hat und die Zähne kaputtgehen und empfindlich werden ist es oft schwer, die Zähne zu putzen oder man denkt, es lohnt sich sowieso nicht. Daher kann ich sagen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Sie die schlechtesten Zähne haben, die wir je gesehen haben, ungefähr bei Null liegen. Alle Angestellten bei uns sind lange hier gewesen und gründlich ausgebildet. Es kann bei uns nicht passieren, dass abwertende Kommentare gefällt werden. Das ist undenkbar. Wir wissen aber hier alle sehr viel darüber, wie man solche Ängste ohne grosse Anstrengung abbauen kann, so dass es möglich wird, regelmässig zum Zahnarzt zu gehen, ohne dass dies ein grosses Problem sein muss.
Mit freundlichen Grüßen
Mats Mehrstedt

JuleSugarbabe
22.02.2007, 15:41
Hallo Ruddy, ich kann Herrn Doktor Mehrstedt nur recht geben...
Ich hätte mir nie träumen lassen vor ein paar Monaten überhaupt auf diesem Stuhl zu sitzen und den Mund aufzumachen... Und auch ich hab mich für die schlimmen Zähne geschämt. Aber Dir werden keinerlei Vorwürfe gemacht... Im Gegenteil: alle sind so freundlich und verständnisvoll!!! Ich habe mittlerweile schon mehrere Sitzungen hinter mir. Und alles OHNE Schmerzen. Glaub den positiven Berichten hier im Forum und versuch Dein Glück!!! Du wirst es nicht bereuen... LG Jule

Ruddy
28.02.2007, 10:25
Hallo!
Seit einiger Zeit bin ich ,wieder, dabei mein Leben endlich in den Griff zu bekommen und etwas gegen diese Zahnarzt Phobie zu unternehmen. Nach der Euphorie, wie schön es sein muss unbekümmert zu lachen usw. kommt schnell die Angst zurück. Ich bin Anfang 30 und war seit über 15 Jahren bei keinem Zahnarzt mehr.Ich kann noch nicht mal die Berufsbezeichnung aussprechen ohne Herzrasen zu bekommen.Diese Ruinen darf ich auch eigentlich niemanden zumuten. Verdammt nochmal ich bin über 30 Jahre alt und schaffe es nicht über meinen Schatten zu springen. Meine ganze Familie verspottet mich schon seit Jahren. Natürlich ist es meine Schuld das ich heute diese Baustelle im Mund habe, aber die Scham ist stärker.Ich werde schon Wochen vor Familientreffen wie Geburtstagen oder auch Weihnachten Tod krank, weil ich befürchte meine Familie diskutiert in großer Runde meine "lächerliche" Angst aus. Dabei liebe ich Weihnachten, aber ich kann es nicht geniessen. Mein Mann weiß auch gar nichts von meiner Zahnarztphobie, der würde wahrscheinlich vor ekel aus dem Fenster springen. Ich kenne seine Einstellung dazu. Oh Gott, wenn er je erfährt das ich ihm was vormache wird er mich sofort verlassen. Ohne Kaugummi laufe ich gar nicht rum, alle paar Minuten wird ein frisches nachgefeuert und in die Lücken geklebt, hauptsache niemand bemerkt etwas. Außerdem lache ich höchstens bei Telefongesprächen, ansonsten ziehe ich meine Lippen nur zu einem graden Strich.Die Leute müssen denken ich bin nicht ganz normal, naja stimmt ja auch irgendwie. Ein erbärmliches Leben. Es ist jedenfalls inzwischen so das ich meine defekten Zähne nicht mehr lange verbergen kann. Die Vorderen Zähne sind inzwischen auch schon angegriffen.Es muss also etwas passieren oder ich werde ein ganz ganz einsamer Mensch Ich finde diese Seite sehr gut und sie macht mir auch ein bißchen Mut, wäre da nur nicht dieser weite Weg. Ich traue mich nicht mit dem Auto nach Hamburg zu fahren, außerdem wäre ich wohl eh zu nervös und würde womöglich einen Unfall bauen. Mit der Bahn wäre es schon möglich, aber die fährt ja nicht bis vor die Praxis Tür. Ich zweifel an das ich "Landei" mit U,-und S-Bahnen zurecht komme. Wie weit wäre es wohl, ab Hauptbahnhof, mit dem Taxi? Bei meinem Behandlungsbedarf müsste ich auch ganz sicher sehr sehr häufig nach Hambug fahren, das sind immerhin auch 250 km. Wäre es auch möglich relative viel an einem Tag zu behandeln? Das wäre mir eine große Hilfe. Ich möchte abends auf jeden Fall wieder in meinem Bett liegen , und nicht in Hamburg bleiben. Zumal ich das ganze alleine und vorallem "ohne Wissen" meines Mannes und meiner Familie durchziehen möchte.Wenn ich das übel in meinem Mund erst los bin kann ich mich vielleich im Freundes,- Bekanntenkreis offenbaren, aber keinen Tag eher.Außerdem Frage ich mich ob eine örtliche Betäubung überhaupt ausreicht bei meinem schlechten Zahnzustand. Eine Vollnarkose kommt nämlich auf gar keinen Fall in Frage !!! Das ist ein Teil meiner Phobie, also auf gar keinen Fall möglich. Wie viele Wochen oder Monate kann es in etwa dauern bis alles wieder in Ordnung gebracht ist? Vielleicht hat ja jemand Lust mir zu Antworten, ich würde mich sehr freuen.
LG
Ruddy

Eine wirklich gute Seite Herr Dr. Mehrstedt, es ist toll das an uns "Angsthasen" gedacht wird und wir hier ernstgenommen werden.

herzi
28.02.2007, 10:25
Moin Ruddy,

wie sich doch Sachen und Menschen gleichen können. Auch ich bin 30 und auch ich habe eine wahre Ruine im Mund. Es ist die Hölle. Alles was du nieder geschrieben hast, könnte ich blind unterzeichnen. Auch ich werde ständig in der Familie aufgezogen. Da ich im Verkauf arbeite, ist jedes Gespräch schon fast eine Qual. Ich versuche beim reden kaum den Mund richtig zu öffnen. Muss ich zum Arzt wegen einer Erkältung, wird ein Kaugummi in die Lücken gestopft. Ich hasse mich selber dafür und schleiche schon seit über 1 Jahr hier im Forum rum und kämpfe mit mir selber endlich den Schritt zu tun.
Letzte Woche hatte ich dann einen fürchterlichen Traum Nachts. Er endete darin, das ich 6 Zähne in der Hand hatte, die einfach ausgefallen sind. Schweißgebadet bin ich aufgewacht. Dieser Traum liess mich Tagelang nicht los und am Montag habe ich nach stundenlangem Rumeiern und Telefonanstarren den Mut zusammen gehabt und die Nummer von Dr. Mehrstedt gewählt.
Es ist vollbracht. Ich habe einen Termin zum ersten Gespräch. Er ist zwar erst im April, aber ich habe den 1. Schritt gemacht. Ich hoffe nun, das ich wenigstens so stark bin, diesen auch wahr zu nehmen. Ich weiss was passiert, wenn es nur noch 2-3 Tage sind. Ganz zu schweigen, wenn es nur noch 24 Stunden sind.
Ich ziehe das jetzt durch !! Kein zurück.
Geb dir eine Ruck. Du schaffst das auch. Wenn es dir hilft, bleiben wir in diesem Thread hier in Kontakt. :-)