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Thema: SAT 1 SENDUNG AM 1. OKTOBER !

  1. #11
    Administrator
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    Lieber Gast,
    dies sollte ja kein Seminar für Zahnärzte werden aber wenn man jemanden "Hypnoselaie" nennen will und ihm über dem Kopf mit wissenschaftlichen Artikeln schlagen will, sollte man diese vielleicht zuerst gelesen haben. Die Veröffentlichungen von Hammarstrand und Moore vergleichen Hypnotherapie (HT) mit verhaltensterapie und auch mit Gruppengesprächen. Dabei zeigt sich aber leider, dass die HT nicht so wirksam ist wie die anderen Methoden. HT zeigt auch durchgehend die höchste Rate an Drop-outs. In der Untersuchung von Hammarstrand hat etwa die Hälfte der HT-Gruppe die Behandlung nicht zu Ende geführt und konnten somit nicht ausgewertet werden. Sie hätten lieber die Untersuchung von McAmmond et al, 1971, erwähnen sollen, aber darüber hinaus gibt es nicht viel empirischer Nachweis für die Wirksamkeit von Hypnose (alleine) bei Zahnbehandlungsängsten. Das die Hypnose bei anderen psychischen Problemen wirksam ist bedeutet nicht, dass diese Ergebnisse ohne weiteres auf Zahnbehandlungsängsten übertragen werden können, genausowenig wie ein Medikament gegen alle Krankheiten wirksam ist. Empirisch gut nachgewiesen ist Hypnose bei chronischen Schmerzen, bei psychosomatischen Störungen und bei Schlafstörungen. Gerade für die Zahnbehandlungsängste gibt es aber leider nicht viel an Nachweisen. Aber es kann ja noch was kommen. Da Hypnose in erster Linie als eine Entspannungsübung zu sehen ist (Stetter, wie Sie sagen) muss sie aber bei Zahnbehandlungsängsten mit anderen Methoden kombiniert werden, etwa mit verhaltenstherapeutischen Ansätzen. Denn wenn man z.B. fest davon überzeugt ist, dass es bald tierisch weh tun wird kann man sich wohl nicht so leicht entspannen.
    MM


  2. #12
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    Guten Morgen,
    ich verstehe jetzt von dem Fachchinesisch hier so gut wie gar nichts, aber ich entnehme dem wohl grundsätzlich, dass der Beitrag von Stern TV also was gezeigt hat, dass so nicht haltbar ist? Das mit der Hypnose ist also alles Unfug?
    Schade, es sah so gut aus und ich hatte da für mich einen kleinen Hoffnungsschimmer gesehen.


    Susanne

  3. #13
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    Tja Susanne - ich mische mich mal ein,

    ich denke Dein Eindruck ist genau der, den vielleicht manch ein Behandler, die nicht mit Hypnose arbeiten (können) rüberbringen möchte.
    Es gibt wohl kaum einen Hypnotherapeuten, der isoliert nur Hypnose einsetzt. Im Grunde wird -gerade bei Angstpatienten- fast immer zu Beginn der Behandlung in kleinen Schritten gearbeitet und der Patient allmählich an die zahnärztliche Behandlungssituation herangeführt. Der Patient behält, auch in Trance, die Kontrolle und bestimmt selbst, wie weit er in den einzelnen Sitzungen gehen kann und möchte. Insofern unterscheidet sich die Herangehensweise kaum von der (kognitiven) Verhaltenstherapie, unterstützt durch eine sehr entspannte Allgemeinverfassung.

    Ich persönliche finde, das es letztendlich auch vollkommen egal ist, auf welche Art ein Mensch seine Angst verliert und wie man das entsprechende Verfahren nennt. Wichtig ist doch, was hinten raus kommt" und wenn es eine entspannte Behandlungssituation ist und der Patient für die Zukunft den Zahnarzt als etwas normales erlebt, dann ist doch der Weg dorthin gleichgültig.

    romme9


  4. #14
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    Lieber Kollege,
    wer heilt hat Recht wird oft behauptet aber meistens ohne Nachweis. Wir haben hier schon in den 70er Jahren mit Hypnose gearbeitet und haben auch einiges dazu veröffentlicht, wie Sie sicher wissen, daher unterstellen Sie mir gegen besseres Wissen eine mangelnde Erfahrung. Wie man aus den Untersuchungen sehen kann, die hier vorgeschlagen wurden, ist es eben nicht egal, welchen Weg man wählt, zumindest nicht für die Patienten aus den Hypnosegruppen, die ihre Behandlung nicht zu Ende führen konnten. Wenn man mit Verhaltenstherapie und Kognitive Verhaltenstherapie mehr Erfolg hat als mit Hypnose dann sind eben diese anderen Methoden den Weg den man wählen soll. Wenn man dazu noch Hypnose machen will, dann bitte, aber es ist nur teuer und zeitaufwendig, und man kann ohne sie gut auskommen. Da Sie Wert auf Literatur legen kann ich die Doktorarbeit von Karl-Heinz Kunzelmann über Hypnose empfehlen (Würzburg, 1986), der wie ich auch lange vor Ihrer Zeit mit Hypnose gearbeitet hat und damals schon zu der Auffassung gelangte, dass Hypnose in der Zahnmedizin zu zeitaufwändig sei.
    MM


  5. #15
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    Verehrter Kollege Mehstedt,

    wenn ich mich missverständlich ausgedrückt haben sollte, so tut mir dies sehr leid und ich würde mich dafür entschuldigen. Wissend, weil Sie es ja auch immer wieder betonen, dass sie vor 30 Jahren Hypnose gelernt haben, hatte ich in meinem Beitrag –Zitat:“…die nicht mit Hypnose arbeiten (können)…“ Zitat ende; extra das Wörtchen „können“ in Klammern gesetzt. Damit wollte ich dem sprachkundigen Leser die Option einräumen, die für ihn passende Interpretation selbst zu finden. Ich wollte keinesfalls den Eindruck erwecken, dass Sie nicht hypnotisieren konnten.

    Ich persönlich finde übrigens das von Ihnen gewählte Sprüchlein „wer heilt hat recht“ recht passend, denn ich denke jeder Arzt sucht für sich den Weg, von dem er sich den besten Erfolg verspricht und dessen Idee am besten zu seinen Vorstellungen passt. In meinen Augen spielt wissenschaftliche Beweisbarkeit und auch der Vergleich mit anderen Therapieformen eine weniger wichtige Rolle. Da versteckt man sich doch eher hinter Zahlen und Statistiken. Und ich vermute auch, dass es letztendlich dem von seiner Angst befreiten Patienten nicht so wichtig ist, wie der Zahnarzt nun vorgegangen ist, sondern viel mehr, dass man die Angst überhaupt losgeworden ist. Und ich behaupte, dass ein engagierter und einfühlsamer Zahnarzt, der sich der Angstpatienten annimmt –egal welche Therapieform er nutzt und auch unabhängig von den Ausbildungen, die er vielleicht plakatiert- sich innerhalb seines Engagements fortwährend informieren und weiterbilden wird. Und wenn man dies interdisziplinär macht, dann in der Lage ist über den eigenen Tellerrand hinauszublicken, kann man aus vielen unterschiedlichen Bereichen wertvolle Bestandteile in sein Behandlungskonzept einbinden. Und oft schmeckt ein gut gemixter Cocktail doch erheblich besser als ein abgestandenes Bier.

    Sicher empfindet jeder Behandler seine Herangehensweise als die erfolgreichste und beste, sonst würde diese ja nicht von ihm praktiziert werden. So setzen die einen auf eine nachgeschaltete Therapie der Angst und sanieren bei schwierigen Fällen, bei denen sie nicht weiter wissen, vorher in Vollnarkose die größten Schäden (OK, manch einer wundert sich vielleicht, warum ein Großteil dieser Patienten nach der VN nicht wieder kommt), andere picken sich die Rosinen aus dem Therapiekuchen und kombinieren daraus ihr „Erfolgsmodell“, der nächste gibt dem Kind einen neuen Namen und versucht es dann als Innovation zu verkaufen, manche arbeiten mit Psychologen oder mit Psychotherapeuten zusammen und wieder ein anderer verspricht die Angst (und leider auch eine ganze Menge Geld) in drei Terminen und einer VN „wegzuzaubern“…

    Ob dieses Forum nun der geeignete Ort ist, um darüber zu diskutieren, dass moderne klinische Hypnose in gut geschulten Therapeutenhänden als ideale Kurzeitintervention in Verbindung mit verhaltenstherapeutischen Elementen, einen Angstpatienten sehr viel eher von seiner Angst befreien kann als der größte Teil anderer Verfahren, möchte ich Ihnen überlassen. Ich persönlich freue mich jedenfalls über jeden engagierten Zahnarzt, der frei von Profilierungssucht, mit Hingabe und Freude, möglichst viele Patienten von ihrer Angst befreit und dabei auch andere mit dem gleichen Ziel neben sich gelten lässt.

    Romme9



  6. #16
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    Danke romme9 für ihre Ausführungen. Ich habe hier auch schon feststellen müssen, dass es anscheinend Differenzen zwischen den einzelnen Behandlungsarten und deren Behandler gibt. Eigentlich ist das jammerschade, denn sie schreiben ja so schön, dass der Angstpatient im Mittelpunkt stehen sollte.

    Ich fühle mich hier gerade auch im Mittelpunkt, aber leider sind da Fronten um mich herum.

    Vollnarkose ist anscheinend ist als schlechter Weg "verkauft" worden, Hypnose ist anscheinend auch sehr umstritten, wenngleich es in den Ausführungen von romme9 sehr gut klingt.

    Wo in aller Welt finde ich denn nun diese engagierten Behandler, die mir helfen, mit mir meinen Weg aus der Angst zu gehen? Wer kann mir nun sagen, was richtig oder falsch ist?

    Susanne

  7. #17
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    Lieber Romme9,
    Sie haben Recht; dies ist nicht der richtige Ort für eine Diskussion dieser Art. Da Sie ja seit längerem sich in der Sache engagiert schlage ich vor, dass wir uns irgendwannmal für einen Meinungsaustausch zusammensetzen. Rufen Sie mich an wenn Sie in Hamburg sind, dann lade ich Sie zum Essen ein.
    Ich denke sonst dass wir hier teilweise aneinander vorbei reden und von anderen auch missverstanden werden.
    Für Susanne kann ich sagen, dass die Hypnose keineswegs umstritten ist. Wenn man Hypnose zusammen mit verhaltenstherapeutischen Techniken einsetzt ist es eine nachweislich gute Methode gegen Angst und ich kann Kollegen wie Romme9 nur empfehlen. Ich habe selbst früher jahrelang täglich mit Hypnose gearbeitet und empfehle es immer noch Patienten, die sich dafür interessieren, Techniken der Selbsthypnose oder des Autogenen Trainings zu Hause zu üben, damit sie diese Techniken auch auf dem Behandlungsstuhl einsetzen können. Man muss aber auch, wie Romme9 keineswegs bestreitet, mehr als Entspannungsübungen anbieten um starke Ängste abzubauen. Man muss, zumindest Anfangs, die Zahnbehandlung in sehr kleinen und überschaubaren Portionen präsentieren, man muss als Behandler beweisen, dass man zuverlässig ist und völlig schmerzfrei arbeiten kann. Gelegentlich kann eine Vollnarkose vorab notwendig sein, wenn der Patient sonst denkt, dass der Weg zu lang und zu schwierig sein sollte, aber nach der Vollnarkose sollte dann immer die Therapie weitergehen, weil der Patient ja dauerhaft von seiner Angst befreit werden möchte und imstande sein sollte, einmal im Jahr zum Zahnarzt zu gehen, ohne dass dies ein Drama sein muss.
    Ich teile allerdings nicht die von Romme9 geäusserte Skepsis über die Wissenschaft. Ohne die Wissenschaft würden die Ärzte ihren Patienten überhaupt nicht helfen können. Nur weil man einen weissen Kittel hat bedeutet das nicht, dass jedes Bauchgefühl gleich richtig ist. Es gibt Methoden gegen Ängste die effektiv sind und es gibt auch welche, die völlig nutzlos sind. Romme9 hat insofern recht, dass es jedem Zahnarzt frei steht, die Methode zu wählen, die zu ihm passt, aber nur wenn er unter den Methoden wählt, die nachweislich wirksam sind, wie etwa Hypnose, Gesprächspsychotherapie oder kognitiver Verhaltenstherapie. Einige dieser Methoden setzen aber eine Ausbildung voraus, die Zahnärzte in der Regel nicht haben. Bei uns arbeiten wir heutzutage fast ausschließlich mit Methoden, die wir von der Verhaltenstherapie und der kognitiven Verhaltenstherapie gelernt haben. Da es so wenige Zahnärzte gibt, die sich für die Behandlung von Angstpatienten interessieren, haben wir leider lange Wartezeiten, die für vielen Patienten unzumutbar sind. Sollte ich, wie früher, täglich auch noch Hypnosen durchführen, wären die Wartezeiten bestimmt doppelt so lang. Ich habe zumindest für meine Arbeit festgestellt, dass zusätlich noch Hypnose zu machen nicht effizient ist. Es bringt uns nicht schneller zum Ziel, sondern langsamer. Ausserdem kostet es Geld, und viele unserer Patienten können es sich nicht leisten. Das Preis-Leistungsverhältnis der Hypnose in der Zahnmedizin ist nach meiner Meinung nicht gut genug. Wenn man Taxi fährt möchte man den kürzesten Weg von A nach B fahren. Auch wenn der Fahrer ganz nett und unterhaltsam ist, bezahle ich ungern 100 Euro dafür, dass er einen Umweg fährt.
    Zu dem Thema welche Therapiemethoden bei welchen Angstzuständen nützlich sind gibt es ein gutes Buch, das auch für Laien leicht verständlich geschrieben ist:
    http://www.amazon.de/Angstbuch-Woher...e=UTF8&s=books
    Da kann man sehen, dass es eben nicht egal ist, welche Behandlungsmethoden man wählt. Bandelow schreibt zum Beispiel, dass wenn man bei einem Patienten mit Panikattacken mehrere Jahre Psychoanalyse macht, obwohl die Krankheit innerhalb von sechs Wochen mit kognitiver Verhaltenstherapie und Medikamenten beizukommen ist, dann ist dies ein Kunstfehler. Da hat der Mann Recht.
    MM


  8. #18
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    Sehr geehrte Zahnärzte,
    verstehe ich das nun richtig, dass es wohl generall Zahnärzte gibt, die sich darauf spezialisiert haben und fast ausschliesslich Angstpatienten behandeln, Zahnärzte, die mit Hypnose und verhaltenstherapeutischen Techniken arbeiten und so auch adäquate Erfolge erzielen können und eben Zahnärzte von "nebenan"?

    Für mich waren die beiden Fernsehsendungen erste Informationsschritte um mich aus meinem Dilemma zu befreien. Ich hatte ja schon geschrieben, dass mich die Planetopia Sendung sehr, sagen wir mal, geschockt hat. Bei der Vollnarkosebehandlung wurden Bilder gezeigt, die mich in ein halbes Trauma versetzt haben, das von dieser Klinik fand ich wenig überzeugend, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass man mir mit gezeigten Bildern von Zahnbehandlugen helfen könnte und die dritte Behandlungsmethode habe ich in dem Bericht nicht so richtig verstanden.

    Bei SternTV fand ich es sehr gut, dass die Patientin wirklich sehr ruhig gewirkt hat, obwohl sie ja vorher sagte, dass sie sehr viel Angst gehabt hat. Auch der Zahnarzt machte einen guten Eindruck, weil er selber sehr viel Ruhe vermittelte.

    Wie sieht denn nun das "optimale" Behandlungskonzept für einen Angstpatienten aus? Und was kann ich selber dazu beitragen, dass ich mich überwinden kann?

    Susanne

  9. #19
    Senior Member
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    Für alle Betroffenen:


    Hallo Herr Dr. Macher,

    unser Film über Zahnbehandlungsphobie wird am kommenden Sonntag noch nicht gesendet.
    Er steht die Woche darauf - am 1. Oktober - auf dem Programm - SAT.1, 22.40 Uhr.

    Nochmals vielen Dank für Ihre Unterstützung und

    beste Grüße nach Baden.

    Rudolf Peter
    Leitender Redakteur Planetopia




  10. #20
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    Susanne,
    wie das "optimale" Behandlungskonzept aussieht kann individuell recht unterschiedlich sein; es hängt auch z.B. davon ab welche anderen psychischen Problemen man eventuell hat. Wir haben hier bei uns immer mindestens ein erstes Gespräch wo der Patient über seine Vorgeschichte berichtet und wenn ich die kenne kann ich Vorschläge dafür machen, wie man am besten weiter kommen kann. Der Patient kann dann entscheiden, was er sich zutrauen kann.
    Es gibt leider nicht sehr vielen Zahnärzten, die psychologisch ausgebildet sind, aber sicher viele, die trotzdem auf Ihre Ängsten mit Verständnis eingehen können. Verlangen Sie am besten zuerst ein Termin für ein Gespräch, ohne Zahnbehandlung. Manchmal kann es hilfreich sein, wenn man einen Begleitperson mitbringt. Weitere Tipps können Sie z.B. hier finden:
    http://www.amazon.de/Angst-Zahnarzt-...e=UTF8&s=books

    MM


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