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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hypnose oder nicht?



Mehrstedt
15.12.2017, 13:38
„Mildert Kopfkino die Angst?“ fragen die Zahnärztlichen Mitteilungen in einem Bericht über „Hypnose in der Praxis“ neulich.
Wir haben früher bei Patienten mit Zahnbehandlungsängsten viel Erfahrung mit Hypnose gesammelt, aber wirklich hilfreich ist es nur im Zusammenhang mit verhaltenstherapeutischen Ansätzen. Da funktioniert die Hypnose als Entspannungsübung und Konzentrationsübung. Allerdings stellt man dann fest, dass, obwohl Entspannungsübungen gut sein können, sind sie für eine verhaltenstherapeutische Therapie von Zahnbehandlungsängsten nicht notwendig. Außerdem ist die Zeit in einer Zahnarztpraxis aufgrund von teuren Einrichtungen und viel Personal recht teuer. In Deutschland kostet eine Stunde Zahnarztpraxis heutzutage etwa 240 Euro. Das möchte oder kann meistens weder der Patient noch der Zahnarzt bezahlen. Da wir die Angsttherapie bis auf das Erstgespräch kostenlos zur Verfügung stellen und dies genau so gut ohne Hypnose funktioniert wie mit Hypnose haben wir auf klassische Hypnose-Einleitungen verzichtet.
Sieht man Hypnose nur als „Kopfkino“ ist sie einfach eine Ablenkung. Man stellt sich bildhaft vor, man sei an einem Lieblingsort am Meer oder sonstwo und konzentriert sich derart darauf, dass die Zahnbehandlung selber mehr oder weniger ausgeblendet wird. Dies funktioniert natürlich nicht besonders gut bei Patienten mit Zahnbehandlungsängsten. Wer eine handfeste Angst vor der Behandlung hat und auch wahrscheinlich erwartet, dass die Behandlung schmerzhaft sein wird, lässt sich natürlich nicht ohne weiteres ablenken. Da sind andere Methoden viel besser.
Dann gibt es auch manchmal die Vorstellung, man könne auf örtlichen Betäubungsmitteln verzichten und durch hypnotische Suggestionen schmerzunempfindlich werden. Davon ist bei Angstpatienten dringend abzuraten. Wer so etwas anbietet (ich hoffe, dies findet heute nicht mehr statt) hat nicht verstanden, wie Hypnose funktioniert. Der Patient wird hier in einer Situation hinein manipuliert, wo er sich nicht traut zuzugeben, dass er Schmerzen spürt. Das letzte, was ein Patient mit Zahnbehandlungsängsten braucht, ist noch eine traumatische Zahnbehandlung!
Hypnose kann allerdings durchaus im Rahmen einer verhaltenstherapeutische Psychotherapie allgemeine Ängste mindern und auch chronischen Schmerzen lindern. Sie kann auch bei Gewichtabnehmen und Raucherentwöhnung das Selbstvertrauen stärken. Die Erfolgsquoten in diesen beiden Situationen sind allerdings nicht höher als bei anderen Methoden.
In einer Zahnarztpraxis ist Hypnose nicht notwendig. Wer Autogenes Training oder andere Entspannungstechniken schon gelernt hat, kann aber natürlich bei einer Angsttherapie beim Zahnarzt davon profitieren.