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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hilfe... die Scham lähmt mich!



Mehrstedt
29.08.2008, 10:45
Pieja,
ich antworte täglich alle Mails, 365 Tage im Jahr, auch wenn ich im Urlaub bin.
Zu Ihrer Schamgefühle kann ich sagen, dass Zahnbehandlungsängste viele Ursachen haben können, aber meistens werden sie durch Zahnbehandlungen verursacht, die vom Patienten als traumatisch erlebt werden. Dabei spielen häufig Schmerzen bei der Behandlung eine Rolle, aber mangelnder Kommunikation kann oft als noch schlimmer erlebt werden.
Die Ursache ist also praktisch immer bei dem Behandler zu suchen und nicht beim Patienten. Wenn die Ängste anfangen ist der Patient meistens noch ein Kind, das sich nicht wehren kann und dessen Meinung nicht genügend respektiert wird. Mag sein, dass dies alles vom Seiten des Zahnarztes meist gut gemeint ist, aber die Folgen können sein dass der Patient über Jahrzehnte nicht zum Zahnarzt gehen kann.
Auch wenn man gut putzt kann einiges mit den Zähnen passieren, wenn die Bakterien genug Zeit haben.
Angst ist aber eine natürliche Abwehrmechanismus, die dazu da ist, unser Leben zu schützen.
Seitdem es Betäubungsmittel gibt sollte es möglich sein, Zahnbehandlungen schmerzfrei durchzuführen.
Geschieht dies nicht ist nicht der Patient Schuld. Wer nicht Schuld ist sollte sich auch nicht schämen.
Gegen die Angst anzukämpfen und trotzdem zum Zahnarzt zu gehen ist of sehr, sehr schwierig. Manchmal braucht man Hilfe dabei, eine Begleitperson als moralische Unterstützung, vielleicht.

pieja
29.08.2008, 12:45
Hallo Dr. Mehrstedt,

vielen Dank für Ihre Antwort. Das was Sie schreiben, beruhigt mich ein bißchen und ich hoffe, ich finde den Mut mir einen Termin bei Ihnen zu holen.
Nein, ich hoffe nicht... ich mache es!
Denn wie schon gesagt... ich will wirklich das etwas passiert und ich endlich wieder lachen kann. Und ich möchte vor allem, diese Angst loswerden, das körperlich noch andere Krankheiten auftauchen. Weiß doch ein Jeder, was kranke Zähne noch so alles anrichten können. Bei jedem Herzstolpern bekomme ich Panik, das ich jetzt eine Herzkrankheit habe. So geht es einfach nicht weiter.

Mein Beitrag sollte übrigens kein Vorwurf in Ihre Richtung sein. Ich wußte nur nicht, daß Sie Mails auch im Urlaub beantworten und hatte angenommen, das jemand anders sie beantwortet hat.

Also nochmals vielen Dank für Ihre Antwort. Den nächsten Schritt muß dann wohl wieder ich machen.
Puuuuuh!!!!
Liebe Grüße
Sabine

Mehrstedt
29.08.2008, 17:44
Pieja,
es ist schon richtig, dass kranke Zähne im Zusammenhang mit Herzerkrankungen und anderes mehr stehen können, aber Sie sollten sich nicht deshalb verrückt machen. Nun weiss ich nicht, wie alt Sie sind, aber dieses Risiko ist nicht sehr groß und betrifft vor allem Menschen die schon in dem Alter sind, wo man anfängt sich Sorgen über Herzbeschwerden im allgemein machen zu müssen. Aber gesunde Zähne sind natürlich immer besser, keine Frage.
MM

pieja
30.08.2008, 09:09
Hallo Dr.Mehrstedt und alle anderen hier im Forum,

ich bin jetzt 42 Jahre alt. Eigentlich (wie ich finde)viel zu jung für solche Probleme, aber es ist halt so gekommen und nicht mehr zu ändern.

Wenn man in der Presse (und im Familien-,Freundes- u. Bekanntenkreis) verfolgt, was alles schreckliches mit seinem Körper passieren kann, wenn man nicht mindestens 1 Mal pro Jahr zum ZA geht, dann wird man manchmal schon ein bißchen verrückt und hört plötzlich Flöhe husten.

Dr. Mehrstedt, Sie haben mich zwar auch diesmal mit Ihrer Antwort ein bißchen beruhigen können, aber ich werde trotzdem in Ihre Praxis kommen und mir von Ihnen ein neues Lächeln zaubern lassen.

(Humor ist wenn man trotzdem lacht)

Naja, aber wirklich... es ist schön zu hören, das man nicht zwingend eine Herzentzündung oder ähnliches haben muss, wenn das Herz ab und an aus dem Takt gerät... und vor allem, daß das auch nicht zwingend mit den Zähnen zusammenhängen muß.

Eigentlich ist es schon eine Katastrophe. Wenn man so schlechte Zähne hat, traut man sich, bei anderen körperlichen Problemen, nicht zu einem "normalen" Arzt. Der könnte einem ja in den Hals schauen wollen. Ich denke, manchmal kann das schon fatale Folgen haben.
Ich möchte z.B. schon seit ewigen Zeiten Blut spenden. Ich traue mich aber einfach nicht dahin, denn bei der ersten Untersuchung könnte es ja sein, das die mir auch in den Hals schauen wollen.
Ich habe über eine Freundin, die schon regelmäßig Blut spendet, versucht rauszukriegen, wie die Untersuchung denn so abläuft, aber von in den Hals gucken hat sie natürlich nichts gesagt. Ne klar, die kann sich natürlich auch nicht vorstellen, das das für jemanden ein Problem darstellen kann. Aber das wird sich hoffentlich bald ändern und ich werde literweise mein Blut abzapfen lassen

Ein schönes Wochenende an alle
und ganz liebe Grüße
Sabine (pieja)

jonnes
31.08.2008, 20:27
Liebe Pieja,
für einen erwachsenen Menschen, der im Leben immer alles gewuppt kriegt (Familie, Beruf usw) ist es schwer zuzugeben, dass man einige Sachen nicht alleine schafft. Eine Angst, die sich früh aufgebaut hat und die man jetzt ständig hinter sich her zieht. Man steht bei so vielen Situationen tapfer und aufrecht, auch wenn sie noch so anstrengend oder niederschmetternd sind. Aber die Angst vor dem Zahnarzt, die bekommt man nicht geregelt. Der Mund ist ein sehr empfindlicher, intimer Körperteil. Und diesen intimen Teil, der von uns doch meistens gehasst und versteckt wird, den müssen wir nun offen zeigen. Man fühlt sich bloßgestellt und gedemütigt, wieder klein und mickerig.
Ich vertraue darauf, dass Dr. Mehrstedt mir ein bisschen von diesen schlechten Gefühlen nehmen kann und mir etwas mehr Selbstvertrauen in diesem Bereich gibt.
Mehr kann ich dir dazu leider nicht sagen, ich habe keine Tips für dich.
Ganz liebe Grüße, Jonnes

pieja
02.09.2008, 13:36
Hallo Leidensgenossen,

ich habe vor Wochen begonnen mich endlich mit dem Thema Zähne zu beschäftigen.
Leider ist das auch mehr als bitter nötig.
Ich habe 20 Jahre lang jeden Gedanken daran erfolgreich verdrängt. Naja, das Ergebnis ist... ich habe wirklich alles kaputt bekommen.
Da ist nix mehr zu sanieren, leider!
Ich habe wirklich immer geputzt und geputzt. Ich wollte schließlich immer vermeiden einen ZA zu besuchen. Leider hat das auf Dauer kein Erfolg gehabt. Ich konnte zuschauen wie die Zähne immer mehr kaputt gingen. Und jetzt... jetzt sind eigentlich keine mehr da.
Und das ist das Problem. Ich glaube, nur selten sieht ein Za so schlechte Zähne. D.h. ein so schlechtes Gebiss. Zähne sind es ja nicht mehr.
Naja, inzwischen ist meine Scham... dieses peinliche Gefühl das einem ZA und den Helferinnen zeigen zu müssen, so groß, daß das schon fast die Angst vor einer Behandlung übertrifft.
Trotzdem... mein Leidensdruck hat inzwischen einen Punkt erreicht, an dem ich mir wirklich Hilfe suchen will.

Ich war zu Beginn meine Suche auf einer anderen Forumseite. Dort empfahl man mir eine ZÄ in meiner Nähe. Ich habe ihr eine Mail geschickt und versucht, ihr mein Problem zu schildern. Keine Antwort! Okay, vielleicht SPAM Filter, also das ganze nochmal als Brief. Wieder keine Antwort! Das hat mich erstmal wieder runtergehauen, dann aber doch ein bißchen wütend gemacht. Gut, wenn die ZÄ Dir nicht helfen will oder kann, suchst Du halt weiter. So bin ich hier gelandet.
Ich habe auch an Dr. Mehrstedt eine Mail geschickt, aber leider war er gerade im Urlaub. Ich habe eine Mail mit dem Hinweis auf seinen Urlaub und dem Rat "man kann mir natürlich helfen" bekommen.
Eine Antwort zu bekommen war wirklich super, nur leider hat es mir gezeigt, daß Dr. Mehrstedt die Mail nicht gelesen hat. Er war ja schließlich im Urlaub.
Leider ist es mir sooooo wichtig, das der ZA, zu dem ich mich vielleicht endlich traue, über mich Bescheid weiß und mir keine Vorwürfe macht, das ich mich jetzt einfach nicht traue mir einen Termin zu holen.
Mein Selbstbewußtsein liegt durch den Zustand meiner Zähne am Boden, die Scham, das jemanden zu zeigen, lähmt mich total. Ich wache morgens mit dem Gedanken an meine Zähne auf und schlafe abends damit ein.

Ich habe eine tolle Familie und einen Job der mir eigentlich Spass macht... ich könnte glücklich sein... bin es aber überhaupt nicht. Ich kann nicht lachen, ich mag nicht sprechen.
Jede Einladung ist ein Graus für mich. Ich möchte endlich wieder fröhlich sein, denn das bin ich eigentlich. Ich vermeiden den Kontakt zu anderen Menschen immer mehr und das fällt mir unsagbar schwer, weil ich doch eigentlich ein sehr geselliger Typ bin.

So, jetzt habe ich mehr geschrieben als ich eigentlich wollte. Ich hoffe, niemand ist über meinen Bericht eingeschlafen und ich bedanke mich sehr fürs zuhören... oder besser zulesen.
Es wäre super, wenn mir noch jemand einen heißen Tipp geben könnte, wie ich meinen anfänglichen Mut und meinen Willen wieder aufbauen kann.

Liebe Grüße
pieja

pieja
02.09.2008, 13:36
Hallo jonnes,

Du sprichst mir aus der Seele.
Es ist wirklich schwierig diese Angst und Scham in den Griff zu bekommen.

In jeder Lebenslage ist man vernünftig. Es gibt Dinge, die müssen gemacht werden, dann macht man sie halt. Egal ob unangenehm oder nicht. Es gibt Situationen, die muß man in den Griff bekommen, dann bekommt man sie halt in den Griff.
Besonders wenn man Kinder hat. Man möchte doch in jeder Lebenslage mit guten Beispiel vorangehen.
Nur beim Thema Zahnarzt wirft man alle guten Vorsätze einfach über Bord. Bisher habe ich halt jeden Gedanken daran ignoriert.
Wenn ich abends im Bett lag, kam oft ein Gedanke an meine Zähne auf... ich erinnere mich daran, daß ich zu mir selber gesagt habe... nein, nicht darüber nachdenken, sonst kannst Du wieder nicht einschlafen und liegst bis zum Morgen wach. Morgen ist ja auch noch ein Tag.
Am Morgen war dann wieder die Sonne da, es gab irgendwas, auf das ich mich gefreut habe und schon habe ich das Thema wieder auf später verschoben.
Aber jetzt geht es nicht mehr. Der Wunsch etwas zu ändern ist einfach übermächtig geworden. Ich lag inzwischen Nächtelang wach. Es ließ sich einfach nicht mehr auf später verschieben. Jetzt also setzt die Vernunft endlich auch beim Thema Zahnarzt ein. Leider ein bißchen spät... aber vielleicht doch besser als nie.
Jetzt muß ich es nur noch schaffen mir endlich einen Termin bei Dr. Mehrstedt zu holen. Mir ist wirklich noch nie aufgefallen wie schwer so ein Telefonhörer doch sein kann.
Ich ertappe mich doch tatsächlich dabei, wie ich wieder dieses... ach, das mache morgen... Schema aufleben lasse.
Drückt mir die Daumen, das ich es bald packe. Am besten noch heute!
Wie ich gehört habe, gibt es bei Dr. Mehrstedt ja auch eine lange Wartezeit.
Das macht es natürlich nicht besser. Also... Augen zu und durch.
(Ich versuche mir grad selbst etwas Mut zu machen)
Liebe Grüße an alle
pieja