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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : zahnarztphobie sendung vom 23.10.07



Mehrstedt
24.10.2007, 23:50
Ich habe die Sendung nicht selbst gesehen, aber von dem, was ich gehört habe, glaube ich zu wissen, um was es geht. Es wird behauptet, dass die Phobie in drei Terminen verschwindet, dabei geht es hauptsächlich um Kostenvoranschläge und Vollnarkose. Es ist nicht richtig, dass Ängsten auf dieser Weise abgebaut werden können. Alle wissenschaftliche Untersuchungen zu diesem Thema deuten darauf hin, dass die Angst nach der Vollnarkose genau so gross ist wie vorher. Ängste können durch einen Lernprozess abgebaut werden, aber man kann nichts lernen, wenn man nicht bei Bewußtsein ist.
Vollnarkose oder Sedierung kann manchmal eine Hilfe sein am Anfang einer Therapie, wenn der Behandlungsbedarf so umfangreich ist das der Patient kein Ende sehen kann, oder wenn der Patient andere psychische Probleme hat und deshalb nicht imstande ist, öfters zur Behandlung zu kommen. Um die Angst dauerhaft im Griff zu bekommen ist es aber notwendig, neue Erfahrungen auf dem Zahnarztstuhl zu machen und zu lernen, anders darüber zu denken.
MM

Schlummerle
19.11.2007, 09:51
Ein interessantes Thema ...

Ich habe mich, nach dieser Sendung, über diese Methode kundig gemacht und bin schon ein bisschen stutzig geworden.

Warum ist das eine reine Privatleistung? Heißt das, dass der Zahnarzt keine Kassenzulassung besitzt? Wenn das der richtige Weg sein soll, warum wird das denn dann nicht von den Krankenkassen unterstützt?

MfG, Schlummerle

Mehrstedt
19.11.2007, 16:17
Die Zahnbehandlungsängste verschwinden leider nicht, nur weil man eine Zahnbehandlung unter Vollnarkose hinter sich hat. Dies ist wissenschaftlich mehrfach belegt. Ein Zahnarzt der nur Privatpatienten behandelt kann allerdings auch bei Kassenpatienten eine private Rechnung stellen.
MM

Schlummerle
19.11.2007, 16:33
Ich hatte das so verstanden, dass man als Kassenpatient die ganze Behandlung komplett selber zahlen muss??? Da war nicht von Zahnersatz die Rede, sondern von der ganzen Behandlung - ich hatte da explizit nachgefragt.

Warum wird das dann als die optimale Lösung auch von den Fernsehsendern vorgestellt, wenn es letztendlich für die meisten nicht erschwinglich ist und wie ich den Worten von Herrn Mehrstedt entnehme, gar nicht sinnvoll ist? Das verstehe ich so überhaupt nicht.

MfG Schlummerle

ralf
19.11.2007, 20:09
Betrachten wir es mal von diesem Standpunkt:

Für viele Patienten ist der Gedanke an eine schnelle "Heilung", wie in der Sendung dargestellt ausnahmslos in Vollnarkose, sehr verlockend. Nach jahrelangem Leiden scheint es - vordergründig - eine schnelle und praktikable Lösung zu geben.

Angst ist in erster Linie psychologisch bedingt und lässt sich nicht wegspritzen. Also muß sie auch pychologisch behandelt werden.

Man mag ja einen schönen Erfolg verbucht haben, nach mehreren Sitzungen in VN ein tolles Gebiss zu haben. Aber was machen die Patienten z.B. in einem Jahr, wenn eine kleine Füllung ansteht ==> VOLLNARKOSE ???

Allein dies beantwortet meines Erachtens schon die Frage der Nachhaltigkeit dieser Therapie.

Kein Zahnarzt, der sich um Angstpatienten kümmert, wird jemals eine Vollnarkose - zu Beginn einer Behandlung, wenn viel zu entfernen ist - ausschlagen. Aber anschließend sollte eine Auseinandersetzung mit der Angst stattfinden, so wie es im AAT erfolgreich praktiziert wird.

Flugangst, Angst vor Hunden und vieles weitere lässt sich auch nicht wegspritzen !!

Herr Dr. Mats Mehrstedt hat in einen Aussagen recht, und wir könnten über dieses gezeigte Thema noch viel kontroverser diskutieren. Leider bewegen wir (die Vertreter des Anti-Angst-Trainings) uns hierbei immer auf einem heißen Stuhl, da es schon viel Ärger gab zwíschen den Vertretern der VN-Therapie und des AAT.

Viele Grüße

Ralf Berg
Vorstandsmitglied "Oralophobia e.V."
Verein für Zahnarztangstpatienten
www.oralophobia.de


Bearbeitet von - ralf am 19/11/2007 21:10:27

Schlummerle
19.11.2007, 21:12
Hallo ralf,
das alles ist mir durchaus klar und ich sehe das ähnlich wie du - der Gedanke ist verlockend, aber letztendlich wird es nicht weiterhelfen, weil irgendwann wird man von der Realität, also einer weiteren Zahnbehandlung, doch wieder eingeholt.

Aber warum prangert man dann diese Methode so an und stellt sie in der Öffentlichkeit als "die" ultimative Methode dar und verschweigt dann aber ganz dezent, dass da immense Kosten auf den Patienten zukommen? Ich muss zugeben, dass ich sofort an der Seriosität gezweifelt habe, als ich eine erste Summe gehört habe und dann noch verarbeiten sollte, dass die Krankenkassen da gar nichts mit zuschussen.

Klar, natürlich ist dieser Zahnarzt ein Geschäftsmann und erhofft mit seiner Methode einen maximalen Gewinn, aber finden sich dann wirklich so viele Menschen, die diesen Weg gehen, dass sich das rechnet?

Und warum hinterfragt z.B. RTL II das ganze nicht, sondern sendet das so?

Ich bin echt empört, wie man dieses Thema nun in der Öffentlichkeit "verkauft" und letztendlich dabei aber das entscheidende Kriterium verschweigt.

Herzlichst Schlummerle

lanny
19.11.2007, 21:35
Hallo ralf,
das alles ist mir durchaus klar und ich sehe das ähnlich wie du - der Gedanke ist verlockend, aber letztendlich wird es nicht weiterhelfen, weil irgendwann wird man von der Realität, also einer weiteren Zahnbehandlung, doch wieder eingeholt.

Aber warum prangert man dann diese Methode so an und stellt sie in der Öffentlichkeit als "die" ultimative Methode dar und verschweigt dann aber ganz dezent, dass da immense Kosten auf den Patienten zukommen? Ich muss zugeben, dass ich sofort an der Seriosität gezweifelt habe, als ich eine erste Summe gehört habe und dann noch verarbeiten sollte, dass die Krankenkassen da gar nichts mit zuschussen.

Klar, natürlich ist dieser Zahnarzt ein Geschäftsmann und erhofft mit seiner Methode einen maximalen Gewinn, aber finden sich dann wirklich so viele Menschen, die diesen Weg gehen, dass sich das rechnet?

Und warum hinterfragt z.B. RTL II das ganze nicht, sondern sendet das so?

Ich bin echt empört, wie man dieses Thema nun in der Öffentlichkeit "verkauft" und letztendlich dabei aber das entscheidende Kriterium verschweigt.

Herzlichst Schlummerle



Sind wir die Manipulation, als etwas anderes kann ich solche Sendungen nicht bezeichnen , nicht schon gewohnt?
Das passiert bei vielen Themen ,weshalb es wichtig ist den kritischen Blick nicht zu verlieren!

LG lanny

Schlummerle
19.11.2007, 21:42
Ja lanny, Manipulation kann man das nennen, aber gerade bei einem so sensiblen Thema? Ich meine, dass man mit dieser Angst schon genug am Backen kleben hat und wenn man da noch "manipuliert" werden soll, dann finde ich das unmöglich.

Je länger man darüber nachdenkt, desto mehr kann man sich reinsteigern.

Wenn man den Nutzen sucht, dann findet man ihn wohl bei den Leuten, bei denen Geld keine Rolle spielt und die sich um ihre Gesundheit nicht kümmern und nur eben schnell das Problem "Zähne" aus der Welt geschafft haben wollen. Aber wie kann nur ein einziger vernünftig recherchierter Redakteur das so in seine Sendung aufnehmen und so "verkaufen"? Das frage ich mich nun schon die ganze Zeit.

Tut mir leid, aber mich beschäftigt das gerade ungemein und leider findet man im Internet nicht allzu viel. Ich habe nur gefunden, dass wohl ein benötigter Zahnersatz dann nur ein Provisorium wäre - da steht dann in diesem Fall gleich das nächste Problem und die nächste kostenintensive Behandlung ins Haus.

Herzlichst Schlummerle

lanny
19.11.2007, 21:49
Wie das weiter geht weiß ich auch nicht denn ich laufe auch mit einem Provisorium herum, werde es später fest stellen. Was die Manipulation betrifft bin ich doch ein bischen verwundert das dich das so beschäftigt. Meinst du nicht das die Richtung nicht schon lange vorgegeben wird?
Aber das wäre jetzt politisch und passt nicht hierher. Sicher ist nur, gucke dir einmal an wer beim TV im Vorstand sitzt welche Gremien von Politikern belegt werden, dann wundert dich garnichts mehr, im Gegenteil Lobbyismus ist stark vertreten.
Das nur zur Hilfe damit du beruhigt schlafen kannst...



Bearbeitet von - lanny am 19/11/2007 22:50:47

Bearbeitet von - lanny am 19/11/2007 22:53:07

ralf
20.11.2007, 16:04
Hallo lanny und Schlummerle,

Danke für DEure Beiträge.

Lanny, bitte erlaube mir Dir im Punkt Schmerzen widersprechen zu dürfen (der Widerspruch ist gut gemeinter Art !!!! ;-) ).

Als ehemaliger Angstpatient (18 Jahre nicht beim ZA, 9 Zähne ex, 2 Kronen nebst Brücke, 3 Implantate) kann ich mit gutem Gewissen sagen, daß jede - nochmal - jede Behandlung völlig ohne Schmerzen von statten gegangen ist. Ich habe mich mit meinen ZA viel im Vorfeld über dei bevorstehenden Behandlungen unterhalten und auch mich selbst informiert. Auch habe ich rechtzeitig vor einer größeren Behandlung damit begonnen, mich nach Rücksprache mit einem Heilpraktiker, entsprechend vorzubereiten (homöopathische Globuli).

Trotz der nicht immer ganz angenehmen Behandlungssituationen (muß auch mal gesagt werden, gehört dazu) habe ich zu keiner Zeit Schmerzen verspürt. Weder während noch nach den Behndlungen.

Zum zweiten Thema.

Klar sind ZÄ auch Geschäftsleute, gar keine Frage. Aber der Markt ist groß und die Zahl der Angstpatienten auch. Aussagen wie "Abzocke" oder "Taschen füllen" vermeide ich hier lieber. Mein Beispiel: ich habe für die oben genannten "Renovierungen" rd. 5.000 Euro bezahlt. Die Angst vor der Zahnbehandlung verloren. Hält der Vergleich noch Stand?

Es ist immer schwierig, das Thema in unserer Form (Anti-Angst-Training) in die Öffentlichkeit zu bringen. Wir bemühungen uns massiv um in Presse, Fernsehen etc. Gehör zu finden. In der örtlichen Presse wird lieber über die Neuwahl eines Vorstandes beim Kaninchenzüchterverein berichtet. Bei unserer Methode fließt kein Blut wie bei der Darstellung bei RTLII einer VN, das macht das ganze schwieriger, sogar fast unmöglich.

Deshalb ist es umso wichtiger, daß es solche Foren wie diese hier gibt. Danke an Mats Mehrstedt und Euch allen.

Auch bei meiner Vereinsarbeit ist erkennbar, daß viele den Weg des Beherrschens der Angst gehen wollen. Es ist mittlerweile zum 2. Job geworden, und ich mache ihn gerne.

Viele Grüße

Ralf Berg
Vorstandsmitglied "Oralophobia e.V."
Verein für Zahnarztangstpatienten
www.oralophobia.de




Bearbeitet von - ralf am 20/11/2007 17:10:09

Auchich
30.12.2007, 22:43
Hallo,

man sollte sich die Zielgruppe solcher Sendungen ansehen, und schon wird einem klarer warum in solch reduzierter Form berichtet wird. Dieser Sender hat nicht den Anspruch echte Informetionen oder gar Wissen zu vermitteln, sondern springt schlicht jedem noch so hohlen Trend hinterher.
Ein kleines Beispiel: Ich betreibe nebenbei noch eine kleine Tierhilfe, ich wurde schon mehrfach gebeten in einschlägigen Magazinen Beiträge zu schreiben. Ich habe das abgelehnt,da diese Magazine keinesfalls an echten, gut recherchierten* Beiträgen interessiert sind, sondern meine Beiträge nur als Füllsel für die kommerziellen Zwecke dieser Magazine dienen sollen. Umso schlimmer wäre es, wenn ich Zeit investierte, um dann einen Beitrag zu schreiben der diesen Herrschaften ganz und gar nicht gefallen würde. Also setzt man einen Studenten an goggel und der schreibt sich was zusammen. :-)

Die Behandlung in VN halte ich durchaus für gerechtfertigt, auch und ich betone das, auch wenn der Patient dann wieder aus Angst nicht zum ZA geht. Auch dazu hat der Patient ein Recht, selbst wenn wir alle hier ihm wünschten er könne seine Furcht überwinden und uns glauben das es auch einen Ausweg ohne VN gibt.

LG Auchich

Dr. P. Macher
31.12.2007, 08:28
Es ist richtig, dass es den Sendern im Grunde (meistens) nur um die Quote geht. Entsprechend reisserisch muss die Sendung gemacht sein. Ausserdem muss das Thema eine möglichst breite Masse interessieren. Manchmal soll auch nur der Voyeurismus des "geifernden" Publikums befriedigt werden (Von mir wollen die entsprechenden Sender oft einen Patienten mit einem möglichst "schrecklichen" Gebiss. Welcher Angstpatient würde sich bei so einem Sender outen wollen? Ich bestimmt nicht.)

Am schlimmsten sind die "Unterhosensender" die mit schrillen Farben,durchgeknallten Moderatoren (und bezahlten Akteuren) sich möglichst unterschichtig und tabulos präsentieren.

Das ist aber nicht das Problem, sondern dass Oralophobiker einen Weg aus der Angst suchen, weil Sie verzweifelt und hilflos sind.
Wer VN als Lösung anbietet, zeigt, dass er von Psychologie keine Ahnung hat (ein psychisches Problem ist mit VN eben nicht lösbar). Meiner Erfahrung nach geht es bei diesen Behandlern um ganz andere Dinge.

Natürlich kann im Rahmen eines Anti-Angst-Trainings für Oralophobiker eine VN indiziert sein, dann ist dies aber ein in das psychologische Konzept eingebundener sinnvoller Schritt.

VN heilt keine Angst!

Allen alles Gute zum Jahreswechsel und ein angstfreies 2008!


Dr. P. Macher
Zahnarzt und Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

--Oralopphobietherapie-

Hauptstrasse 77 77855 Achern

Tel: 07841 290855

angst1000
31.12.2007, 09:01
Ich möchte nur mal kurz auf die Sendung zum Thema Zahnarztangst (RTL II) eingehen. Mich würde interessieren, wie ihr diesen Beitrag beurteilt. Aus meiner Sicht fand ich es nicht toll, dass man in dieser Sendung die VN als die "Top"-Alternative zur Behandlung von Angstpatienten präsentiert hat. Ich bin der Meinung, dass diese Form den letzten Ausweg darstellt. Auch ich bin eine "schwierige" Patientin mit großer Angst und einer für den ZA erschwerten Behandlung vor allem durch meinen stark ausgeprägten Würgereiz. Trotzdem habe ich die VN nie als erste Option einer Behandlung in Betracht gezogen. Ich habe einige ZA kennengelernt, die mit meiner Problematik nicht umgehen konnten und immer nur propagierten, dass bei mir nur eine Behandlung mit VN möglich wäre. Seit einiger Zeit gehe ich nun zu einem sehr netten und verständnisvollen ZA, der mir von Anfang an die Angst genommen hat und auch mit meinem Würgereiz umgehen kann. Er war der Einzige von denen, die ich konsultiert hatte und bei denen ich zum Erstgespräch war, der mir Mut gemacht hat, dass auch bei mir eine Behandlung ohne VN möglich ist. Heute bin ich froh, diesen ZA gefunden zu haben und "gemeinsam" haben wir schon einige Termine durchgestanden. Ohne die Behandlung bei Bewusstsein würde ich es nie schaffen, meine Ängste langsam zu überwinden(angstfrei bin ich noch nicht). Selbstverständlich gibt es Situationen, in denen eine VN unumgänglich ist, jedoch sollte man vorher die Risiken mit abwägen.
In der Sendung auf RTL II hätte man vordergründig die Behandlungsformen vorstellen sollen, die auch einen Abbau der Angst ermöglichen. Was bringt es einem, wenn am Ende alles im Schlaf saniert ist, aber man anschließend die nächsten Jahre wieder keine ZA-Praxis betreten kann - und das in VN Geschaffene dann erneut "zerstört" wurde?

Wie ist Eure Meinung zu obiger Thematik?

Falls es Ihnen zeitlich möglich ist, Herr Dr. Mehrstedt, wäre es schön, wenn Sie vielleicht auch Ihren Standpunkt zum gesendeten Beitrag im Forum einstellen könnten.

Viele Grüße

ein Angsthase

mami23HH
31.12.2007, 09:01
Es ist schon eine Möglichkeit bei Angstpatienten schnell viele Zähne in Ordnung zu bringen. Ich selber habe mir vor ein paar Jahren unter Vollnarkose meine Zähne sanieren lassen. Klar war die Angst dann nicht weg aber es hat mich doch sehr beruhigt und da der Zahnarzt auch nett war und auf mich einging konnte ich auch danach ganz gut zum Zahnarzt gehen. Leider hatz der sich dann eine andere Praxis gesucht und wurde sehr komisch zu mir. Naja eher unfreundlich und verständnisslos. Bin dann nicht mehr hin.

Also ich finde es ist keine Möglichkeit Ängste abzubauen aber es hat MICH schon beruhigt zu wissen , das Meiste ist erledigt und Schmerzen damit auch!