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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : lieber noch 3 Kinder kriegen, als einmal zum ZA



Mehrstedt
30.09.2007, 14:50
Hallo,
Ihre Geschichte ist leider nicht so ungewöhnlich, wie Sie denken. Etwa 10-15 Millionen Menschen in Deutschland haben sehr grossen Problemen damit, zum Zahnarzt zu gehen und wenn man längere Zeit nicht beim Zahnarzt war geht auch vieles kaputt. Man könnte ja auch meinen, dass wenn man nicht so gerne zum Zahnarzt geht sollte man besonders fleissig putzen, aber das ist leider selten der Fall. Ausserdem fängt die ganze Geschichte auch oft damit an, wie hier, das die Eltern in der Kindheit sich nicht besonders um Zahnpflege und Zahnarztbesuchen gekümmert haben, oft weil sie nicht ausreichend informiert gewesen sind darüber.
Wir sehen leider täglich solche Probleme, aber die gute Nachricht ist, das man diesen Teufelskreis beenden kann, so dass Sie bald in der Lage sein werden, angstfrei zum Zahnarzt zu gehen und auch in einem Apfel zu beissen. Es gibt in diesem und anderen Foren viele Berichte darüber.
Mit freundlichen Grüßen,
MM

Auchich
30.09.2007, 22:54
Hallo Daniela,

auch bei mir waren meine Eltern recht nachlässig, und glaube mal nicht, daß zu meiner Kindergartenzeit schon Zahnbürsten im Kindergarten waren.

Fleisig putzen ist niedlich gesagt, wenn man versuchen muß einigermaßen schmerzfrei um die Ruinen rumzuputzen.
Vor allem sich 2 mal täglich mit seinem Probelme auseinander setzen zu müssen ist auch nicht jedermanns Sache.

Bei unserer Tochter habe ich extrem aufgepasst, weil ich ein Schisser war, ging Oma mit, die inzwischen natürlich auch die Wichtigkeit erkannt hatte.

Dementsprechend konnten wir vermeiden dass sie schon früh schlechte Zähne hat.

Ich glaube bevor Dr. Mehrstedt aus den Latschen kippt, muß so einiges passieren, obwohl ich ihn noch nicht kennengelernt habe.

Ich habe morgen meinen 4ten Termin bei meinem Zahnarzt und jetzt 22:56 Uhr habe ich noch die Absicht hinzugehen.
bei mir ists fast auch nur noch Denkmalpflege, aber ich sehs inzwischen mit
Humor.

Es bringt gar nichts, es jemand anderem zu Liebe zu tun, tue es einfach für Dich!!!
Du solltest mit deinem Körper Mitgefühl haben, der gezwungen ist sich deinen Ängsten zu unterwerfen. Auch der Selbstekel tut weh....

Eins würde ich noch gern sagen, du glaubst nicht wie mitfühlend Kinder sein können, und wie gut sie verstehen dass man sich auch mal fürchtet. Und wenn sie nicht zu klein sind, können sie auch sehr gut trösten und tun das auch gerne.
Trau dich, es lohnt sich.

Liebe Güße Auchich

herzi
01.10.2007, 00:02
Hi Daniela,

gaaaaaaaaaaaanz tief in deinem Inneren bist du keine Schisserin, das weiss ich. Ich hätte meine Hand dafür ins Feuer legen können, das ich der größte Schisser auf Erden bin. Und siehe da..nun ist sie verbrannt.
Verbrannt aus dem Grund, das ich Doc. Mehrstedt über dieses Forum kennengelernt habe und er es geschafft hat, aus dem größten Schisser auf Erden einen Menschen zu machen, der wieder hoch erhobenen Hauptes durch die Welt geht und demnächst der ganzen Nation ein stolzes Lächeln präsentiert (dauert noch ein wenig, aber wir arbeiten daran).

Nimm all deinen Mut zusammen, mach einen Termin und du wirst beim ersten betreten der Praxis merken, das du dort wirklich super aufgehoben bist und deine Zahnprobleme keine Probleme bleiben müssen.

lanny
01.10.2007, 12:40
Hallo Daniela,

ich glaube wir alle meinen die einzigen zu sein die Angst vor dem ZA haben.Kümmert man sich ein bischen darum ergeht es den meisten wie dir, sie sind erstaunt, auch erleichtert endlich zu merken das es mehr Leidensgenossen gibt als man sich vorstellen konnte.
Deine Angst ist das natürlichste von der Welt, sie jedoch zu beherrschen dafür brauchen wir Hilfe.
Dabei wird dir Dr. Mehrstedt seine volle Unterstützung anbieten, nehme sie an und bitte um ein Gespräch.
Wenn du diesen Schritt erst einmal getan hast wirst du sehen das wir dir schriftlich garnicht vermitteln können wie gut dir dieses Gespräch tun wird.
Schamgefühle sollten, trotz böser , wenn nicht sogar dummer menschlichen Fehler, vor der Tür bleiben.
Niemand der Angst vor dem ZA hat, bekam diese freiwillig sondern bestimmte Umstände verursachten sie.Was bedeutet die Zähne können garnicht mehr in Ordnung sein.
Mein Trümmerfeld wird zur Zeit ebenfalls bearbeitet und Schritt für Schritt wird irgendwann ein Gebiss daraus das wieder kräftiges Zubeissen zuläßt.
Zum Abschluß noch.
Glaube mir ein gesundes Gebiss ruft auch Freude, Selbstsicherheit, ein tolles Lebensgefühl hervor.
Sag´wer möchte das missen?
Viel Glück, Mut und rufe bei Dr. Mehrstedt an.
In dem Gespräch wird er dir beweisen das dir die Angst wieder zu nehmen ist.
LG lanny



Bearbeitet von - lanny am 01/10/2007 12:41:31

ralf
01.10.2007, 21:28
Hallo Daniela,

aus unserer Vereinsarbeit heraus können wir immer wieder feststellen, daß wir Angstpatienten den Zustand unserer Zähne sehr oft viel schlechter einschätzen, als er wirklich ist. Ich war mir auch sicher, daß alles bei mir raus muß. Es war aber lang nicht so schlimm wie befürchtet.

Einen der größen Schritte hast Du auf dem Weg in eine lebenswertere Zukunft bereits getan: Du hast Deine Geschichte hier geschrieben. Und das verdient meiner Meinung nach für jedem Betroffenen schon allen Respekt !

Den ersten "Mutschub" gibts auch gleich dazu, denn wenn man merkt daß es noch viel viel mehr Betroffene gibt und man nicht allein ist. Und genau diese Gemeinschaft ist es, das sich gegenseitg helfen und Mut zusprechen, was sehr vielen bislang aus der Angst geholfen hat.

Irgendwann kommt der richtige Zeitpunkt alles in Angriff zu nehmen. DU entscheidest wann. DU entscheidest beim ZA, was gemacht wird und in welchem Tempo.

Hierfür viel Glück, alles Gute und einen guten ZA (oder einen sehr guten wie Dr. Mehrstedt).


Viele Grüße

Ralf Berg
"Oralophobia e.V."
Verein für Zahnarztangstpatienten
www.oralophobia.de

Bearbeitet von - ralf am 01/10/2007 21:35:10

Bearbeitet von - ralf am 01/10/2007 21:36:34

daniela36
01.10.2007, 21:36
Hallo!
Wenn ich eure Sachen so lese, dann muss ich beruhigender Weise feststellen,dass ich ja doch nicht die einzigste bin, die so ein "Schisser" ist.
Aber ein Punkt ist bei mir anders. Welcher? Bei mir würde sicher selbst Dr. Mehstedt aus den Latschen kippen. Denn ich bin echt der Knaller. Wenn ich mal nachzähle, dann muss ich zugeben, das nicht ein Zahn (von den letzten Mutigen,die noch da sind) heil ist.
Wie kann es dazu kommen, fragt ihr euch? Das eine erwachsene Frau und Mutter von drei Kindern so rumläuft? Tja, den ersten Vorwurf muss ich leider meiner Mutter machen. (Mami nicht böse sein, hab dich trotzdem ganz doll lieb)Sie war nie sehr konsequent und hat auch wenig drauf geachtet, dass ich mir als kleines Kind regelmässig die Zähne putze. Ich glaube mit drei oder vier hatte ich schon die ersten richtigen Zahnschmerzen. Meine Oma hat mich dann von ZA zu ZA geschleppt, aber trotz aller Bestechungsversuche blieb mein Mund zu. Als ich dann in das Alter kam, wo ich selber darauf achtete, wars auch eigentlich schon zu spät. Mit ca. 12 ist mir der erste obere Schneidezahn abgebrochen. Und so gings dann weiter.
Unregelmässig zum ZA gegangen? Nee, kann ich nicht behaupten. Ungefähr 1 mal im Jahr, war ich regelmässig beim Notzahnarzt. Aber natürlich erst, wenn keine Tabletten mehr halfen und ich schon kurz vorm Selbstmord war. Diese Situationen machten meine Angst , wie ihr euch denken könnt, nicht kleiner. Beispiel: Der eine ZA hat mir einen entzündeten Zahn gezogen (wers schon erlebt hat, kennt diesen schöne Gefühl), der andere ist durch die "volle" Praxis gerannt und hat geschrien :"Oh, mein Gott so was habe ich ja noch nie gesehen"(und noch andere nette Dinge). Ich habe mich so geschämt. Dann die Schmerzen und die Angst, das war zu viel. Draussen vor der Praxis musste ich mich dann erstmal übergeben.
Und so ging es bis jetzt all die Jahre weiter. Ich glaube ich kenne bestimmt 90% aller Hamburger ZA.
Irgendwann habe ich mal ein Provisorium für die oberen vier Frontzähne bekommen (diese Dinger, die mit Klammern an den Backenzähnen festgemacht werden.)Das ist aber schon so lange her, dass die Klammern mittlerweile abgebrochen sind, die Prothese in der Mitte auch schon zig mal durchgebrochen ist....
Aber Not macht erfinderisch. Sekunderkleber hat immer seinen Dienst getan. Und damit das Ding nicht rausfällt, weil ja keine Möglichkeit mehr besteht, es festzumachen, nehme ich nun die gute alte "Blen-da-med-Haftcreme".
Nicht zu vergessen, unten ist der eine Schneidezahn auch weg. Der ist mir in der Schwangerschaft gezogen wurden. Früher hat man doch immer gesagt: Eine Schwangerschaft kostet ein Zahn. Demnach müsste ich ja schon über eine Fussballmannschaft an Kindern haben, sind aber nur drei. (mal so nebenbei, ich würde lieber noch drei Kinder kriegen, als einmal zum ZA zu gehen)
Naja und über den Rest der Baracken brauchen wir garnicht zu reden. Die Dinger Zähne zu nennen, wäre eine Beleidigung.
Mein Traum ist, mal in einen knackigen Apfel beissen zu können oder einfach mal herzhaft zu lachen. Auch für meine Kinder tut es mir so schrecklich leid, muss peinlich für sie sein. Aber selbst meine ganze Liebe zu ihnen schafft es nicht, mich zum ZA zu bringen.
Tolle Mutter!
Ich denke, das kann man nur verstehen, wenn man selber in dieser Situation ist oder war.

Man, hat das gut getan, so offen darüber reden (schreiben) zu können.
Und danke an alle, die sich mein Gejammer angetan und das gelesen haben.
Für die, die es geschafft haben, freu ich mich mit und das von ganzen Herzen.
Beneiden tu ich euch aber auch.
Vielleicht hat ja einer Lust mir zu antworten.
Würde mich freuen.
Tschau
vielleicht bis bald
Daniela die Schisserin