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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Erfahrungsbericht / Mein Jahr 2006



ralf
24.01.2007, 18:52
Hallo an alle,

als Betroffener aus einem anderen Forum möchte ich Euch meine Geschchte erzählen. Eventuell kennt der / die eine oder andere von Euch diese schon.

Meine Geschichte soll Euch allen Mut geben, das Ziel ist - auch wenn es derzeit ausweglos und steinig scheint - erreichbar.

Das Jahresende ist auch immer eine Zeit, auf das abgelaufene Jahr zurückzublicken. Gerne möchte ich Euch mein Jahr 2006 schildern.

Meine Geschichte begann eigentlich im Alter von 13/14 Jahren..

Damals bekam ich meine erste Spange, oben. Ein Jahr später dann unten. Alle vier Wochen bin ich dann zur Kontrolle zum ZA. Regelmässig wurde dabei auch an den Zähnen was gemacht, Füllung hier, Bohren dort. Jedesmal verließ ich die Praxis mit großer Erleichterung.

Als dann mit ca. 17 die Behandlung mehr oder minder erfolgreich (ich war gerade bei der unteren Spange ein ziemlicher Schlamper) beendet war, beschloss ich für mich, eine Pause zu machen, was ZA-Besuche betraf. Unbewusst wurde die Pause immer länger, das Thema ZA war für mich einfach nicht mehr da.

Dann ging es los. Das erste Loch war zu erkennen und machte sich bemerkbar. Doch ich traute mich irgendwie nicht zum ZA.

Dann stand das Thema Bundeswehr auf dem Programm. Bis zur Musterung wollte ich die Zähne machen lassen. Zwei, drei Termine habe ich wieder abgesagt. Komisch, aber bei der Musterung kam ich durch. Also, war das Thema für mich wieder erst mal erledigt. Während der Bundeswehrzeit (ich war 4 Jahre bei der Marine) entschied ich mich für meinen „Traum“ – das Uboot –Fahren. Als Voraussetzung galt, dass man einwandfreie Zähne hatte (es kann dabei durch Druckunterschiede zu erheblichen Problemen kommen, z.B. können Plomben herausgezogen werden). Ich weiß nicht wie, aber irgendwie habe ich dies am Arzt vorbeigeschummelt.

Bei der Entlassung stand auch eine Abschlussuntersuchung beim ZA an. Er stocherte schmerzhaft in meinen Zähnen rum und sagte nur, dass ich dringendst zum ZA müsste. OK – danke, schnell raus ! Und wieder war dies Problem hinten angestellt. Das war 1993.

Ausbildung und Beruf waren begleitet durch Schmerzen, die durch Tabletten erträglich wurden.

Dann lernte ich meine Frau kennen. Ich konnte Ihr mehr als 10 Jahre mein Problem verheimlichen. Ihre gelegentlichen Aussagen „Du müsstest aber auch mal wieder zum ZA“ wurden von mir schnell in ein anderes Gespräch umgewandelt.

Mein Gebiss war an den Backenzähnen mittlerweile nur ein Trümmerhaufen. Schmerzen, Tabletten die nicht mehr ihre Wirkung entfalteten, Alkohol kam dazu.

2005 fand ich dieses Forum. Ich war mehr als euphorisch, daß ein Spezialist für meine Probleme nur ein paar Kilometer weg wohnt. Mit Sicherheit bin ich 7/8 mal vor seiner Praxis gestanden, aber mehr nicht.

Erst durch meinen ersten Beitrag Ende April 2006, durch die Antworten im Forum fand ich den Mut, am 03. Mai nach 18 Jahren wieder eine ZA-Praxis zu betreten. Da saß es nun, das Häufchen Elend und wusste nicht, ob es Angst haben sollte, oder sich seiner Tränen schämen sollte. Keine halbe Stunde nach Betreten der Praxis hatte mich Dr. Macher irgendwie auf dem Stuhl.

Es folgte 5 Tage später die Entfernung meiner kaputten Zähne, insgesamt 7 Stück (die liegen heute noch bei mir auf dem Schreibtisch – mit denen rede ich als).

Bis heute hatte ich 15 Termine 2006, genug um ein Bonusheft 7 Jahre lang zu füllen.

Und ich bin stolz darauf, es bis hierher geschafft zu haben.

Das schönste Weihnachtsgeschenk ist die neu gewonnene Lebensqualität, welche ich 18 Jahre, also mein halbes Leben, abgeben musste.

Nun folgt noch eine Implantation (3 Stück) am 30.01.07. Drückt mir hierfür die Daumen.

Danke

Dr. Macher
Sie haben mir diese Lebensqualität wieder gegeben

Meiner Frau
Dass sie all die Lügen und Verheimlichungen über die Jahre so verständnisvoll im Nachhinein hingenommen hat.

Meinen Arbeitskollegen
Für die Unterstützung während der bisherigen Behandlungen

Euch allen im Forum
Ohne Euch hätte ich es nie geschafft.



Viele Grüße

Ralf Berg
● Verein „Oralophobia e.V.“


PS: Wir haben zwei neue Selbsthilfegruppen gegründet:

Region Dresden Info unter
SHG-Zahnbehandlungsangst-DD@web.de

Region Offenburg (Plz 776...), Infos unter
oralophobieShgOG@aol.com

Informationen zum Verein Oralophobia e.V. unter
http://www.oralophobia.de/




Bearbeitet von - ralf am 25/01/2007 20:27:22